Stand: 25.05.2016 15:56 Uhr

Wiesenhof nach dem Großbrand: Eine Chronologie

Der Brand hinterlässt eine Ruine. Unklar ist vor allem, wie es für die vielen Mitarbeiter von Wiesenhof weitergeht.

Der Großbrand am Ostermontag sorgt bei dem Wiesenhof-Schlachtbetrieb in Lohne im Landkreis Vechta für massive Zerstörungen. Für die Firma bedeutet das immense Produktionsausfälle. Und die Mitarbeiter müssen sich um ihre Arbeitsplätze sorgen. Wie hat sich die Situation in Lohne seit dem Brand entwickelt und um wie viele Arbeitsplätze geht es?

28. März 2016, Ostermontag: Das Feuer bricht aus

In zwei Hallen des Wiesenhof-Schlachtbetriebsbricht zur Mittagszeit Feuer aus. Tiere sind nicht im Schlachthof, der war wegen des Feiertages nicht in Betrieb. Ein Wiesenhof-Mitarbeiter und ein Feuerwehrmann werden leicht verletzt. Bis zu 520 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten sind zeitweise im Einsatz. Die Löscharbeiten dauern bis Dienstag an. Wiesenhof hat am Standort Lohne bis dahin etwa 1.600 Mitarbeiter, davon sind 750 festangestellt.

29. März, Dienstag: Die Betriebsversammlung

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Der Wiederaufbau der Produktionshallen in Lohne wird voraussichtlich 18 bis 24 Monate dauern.

Der Wiesenhof-Mutterkonzern PHW (Paul-Heinz Wesjohann, Firmensenior) kündigt bei einer Betriebsversammlung an, dass nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden können. "Wir können leider im Moment nicht ausschließen, dass sowohl Werkvertragsbeschäftigte als auch Leiharbeiter und Festangestellte betroffen sind", teilt eine PHW-Sprecherin auf Anfrage von NDR.de mit. Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Landesverbands der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft vermutet, dass der Wiederaufbau von Wiesenhof in Lohne eineinhalb bis zwei Jahre dauern wird.

1. April, Freitag: Über 200 Leiharbeiter entlassen

Leider kein Aprilscherz: Bei der Arbeitsagentur in Vechta melden sich die ersten Leiharbeitskräfte arbeitslos. Ein Sprecher der Arbeitsagentur sagt, es handele sich um "eine hohe zweistellige Zahl" von bisher bei Wiesenhof beschäftigten Leiharbeitern. Auf dem Gelände der Schlachterei beginnen die Aufräumarbeiten.

4. April, Montag: Wiesenhof-Betriebsrat schaltet Anwälte ein

Die Leiharbeitsfirma Pro Work hat bei der Arbeitsagentur eine Massenentlassung für 219 Mitarbeiter beantragt. Angeblich drohe der Firma die Insolvenz, weil der Wiederaufbau des Schlachthofes so lange dauert. Der Betriebsrat von Wiesenhof schaltet eine Anwaltskanzlei ein, um die Verhandlungen über die Arbeitsplätze der Wiesenhof-Stammbelegschaft möglichst schnell voranzubringen.

6. April, Mittwoch: Ministerpräsident Weil in Lohne

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Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies besuchen das abgebrannte Wiesenhof-Gelände.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und der Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) besuchen Lohne. Dort führen sie Gespräche mit der Leitung von PHW. Für Olaf Lies steht die Zukunft der Mitarbeiter im Mittelpunkt, sagt er NDR Info. Weil kündigt auch Unterstützung an, allerdings ohne konkrete Angaben. Nach den Gesprächen erklärt er, Wiesenhof wolle den Standort wieder aufbauen.

14. April, Donnerstag: Wiesenhof und Gewerkschaft im Gespräch

Zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) finden erste Gespräche darüber statt, wie es für die Wiesenhof-Mitarbeiter weitergehen soll. Die NGG bricht die Verhandlung ab, die PWH habe nicht alle relevanten Daten und Fakten auf den Tisch gelegt. Der Wiesenhof-Mutterkonzern PWH hat indes gute Nachrichten für 350 Mitarbeiter: Sie können in der nächsten Woche im nicht zerstörten Teil die Arbeit wieder aufnehmen. Ob es sich dabei um Festangestellte oder Leiharbeiter handeln soll, ist unklar.

18. April, Montag: Wirtschaftsminister Lies lädt zum runden Tisch nach Hannover

Wie angekündigt nimmt ein Teil der Wiesenhof-Belegschaft die Arbeit wieder auf. Wie es mit den übrigen Mitarbeitern weitergehen soll, will Wirtschaftsminister Lies an einem runden Tisch am Mittwoch klären.

20. April, Mittwoch: Verwirrung über Mitarbeiterzahlen

An den Gesprächen in Hannover nehmen unter anderem Vertreter der Arbeitnehmer, der Stadt Lohne und der Agentur für Arbeit teil. Wiesenhof ist nicht dabei, dafür die Beratungsstelle für Leih- und Werkvertragsarbeiter. Laut der Gewerkschaft NGG arbeiten inzwischen nicht 350, sondern mehr als 500 Mitarbeiter wieder bei Wiesenhof. Wie viele davon festangestellt sind, kann NGG jedoch nicht sagen. Wiesenhof bleibt bei seiner früheren Aussage und beruft sich auf die Betriebsvereinbarung: Dass mindestens 60 Prozent der Belegschaft festangestellt sind. Daran halte man sich auch jetzt.

Wie sich Wiesenhof in Lohne aufteilt

Mal heißt es, Wiesenhof habe in Lohne vor dem Brand 1.200 Mitarbeiter gehabt, dann ist von 1.500 oder 1.600 die Rede. Der Grund ist ein Firmengeflecht unter dem Mutterkonzern PWH: Dessen Tochterunternehmen Wiesenhof hat wiederum Tochterunternehmen in Lohne: Den Schlachtbetrieb Oldenburger Geflügelspezialitäten mit 1.200 Mitarbeitern und Allfein Feinkost GmbH mit 340 Beschäftigten. Die Mitarbeiterschaft der Oldenburger Geflügelspezialitäten, um die es hier geht, setzt sich aus 750 Festangestellten und etwa 400 Leiharbeitern aus zwei Leiharbeitsfirmen zusammen.

2. Mai, Montag: NGG zählt nach

Die Gewerkschaft NGG befürchtet, dass Wiesenhof einen Großteil der Festangestellten entlassen will, um auf Leih- und Werkvertragsarbeiter zu setzen. Wiesenhof taktiere deswegen mit Mitarbeiterzahlen. Nach Konzernangaben arbeiten inzwischen 350 Mitarbeiter wieder im Schlachtbetrieb - die Gewerkschaft zählt aber mehr als 1.000 Beschäftigte. Das sei "schlicht falsch", sagt Wiesenhof dazu.

3. Mai, Dienstag: Versicherungsgruppe Hannover will nicht mehr

Der Schaden, der durch den Brand bei Wiesenhof entstanden ist, beläuft sich auf etwa 300 Millionen Euro. Das schätzt ein Versicherungskonsortium. Daran beteiligt sich auch die Versicherungsgruppe Hannover (VGH), die allein etwa 21 Millionen Euro zahlen müsste. Die VGH ist bereits zum zweiten Mal mit einem Schaden bei Wiesenhof konfrontiert. Ein Sprecher kündigt deshalb an, die VGH werde in Zukunft keine Wiesenhof-Unternehmen mehr versichern. Unterdessen verhandeln Wiesenhof und die Gewerkschaft weiter über den Erhalt von Arbeitsplätzen. Die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, wolle 523 der festangestellten Mitarbeiter rausschmeißen, sagt Gewerkschaftssekretär Matthias Brümmer: "Diese Zahl haben wir schriftlich."

4. Mai, Mittwoch: Werden sich Wiesenhof und der Betriebsrat einig?

Der Bundesarbeitsrichter Horst Dieter Krasshöfer kommt auf den Plan: Er leitet das sogenannte Einigungsstellenverfahren zwischen Unternehmen und Betriebsrat. Auch Paul-Heinz Wesjohann, Gründervater der PHW und Wiesenhof, nahm an der dreistündigen Verhandlung teil. Ziel: Eine Mehrheitsentscheidung zwischen den vier Unternehmensvertretern und den vier Arbeitnehmervertretern. Diese erste Runde bleibt allerdings ergebnislos. Am 17. Mai sollen die Gespräche fortgeführt werden und abgestimmt werden: Dann ist auch Krasshöfer stimmberechtigt.

17. Mai, Dienstag: Es geht weiter ...

... aber nur kurz. Die Verhandlungen werden ergebnislos vertagt.

18. Mai, Mittwoch: 700 Mitarbeiter versammeln sich

Die bisher erfolglosen Schlichtungsgespräche werden unter Geheimhaltung geführt. An die Mitarbeiter dringen kaum Informationen durch. Deshalb treffen sich etwa 700 Wiesenhof-Mitarbeiter zu einer Betriebsversammlung, um ihrem Unmut Luft zu machen, sagt die Gewerkschaft NGG.

23. Mai, Montag: Wieder Verhandlung, wenig Hoffnung

Wiesenhof und der Betriebsrat liegen noch immer weit auseinander in der Frage, wie viele Festangestellte und Leiharbeiter Wiesenhof behalten soll. Das erklärt ein Sprecher der Gewerkschaft. Auch die dritte Verhandlungsrunde wird am Nachmittag vertagt.

 

 

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 29.03.2016 | 19:30 Uhr

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