Stand: 24.01.2017 19:28 Uhr

Wenn jede Minute zählt: Mobile Retter im Einsatz

Wenn es um Leben und Tod geht, tickt unbarmherzig die Uhr. Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand etwa sind die ersten drei Minuten entscheidend. Umso dramatischer ist es, dass in ländlichen Landkreisen wie Emsland oder der Grafschaft Bentheim durchschnittlich neun Minuten vergehen, bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Mit einer Innovation soll nun die schnelle Versorgung von Notfall-Patienten verbessert werden: Sogenannte mobile Retter sollen in einigen Fällen nach Notrufen die medizinische Erst-Versorgung übernehmen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Mehr als 430 Freiwillige dabei

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Norbert Boyer, freiwilliger mobiler Retter, bleibt so lange beim Patienten, bis der Notarzt kommt.

Das Konzept: Ehrenamtliche sollen schon dann helfen, wenn Rettungswagen und Notarzt noch unterwegs sind. Sie werden über eine App auf ihrem Handy automatisch bei einem Notfall in ihrer Nähe benachrichtigt - allerdings nur bei Herz-Kreislauf-Stillstand oder Bewusstlosigkeit, wenn es besonders um Geschwindigkeit geht. Der Computer in der Leitstelle sieht über die GPS-Ortung, wo welcher Retter gerade ist. Wer in der Nähe des Patienten ist, wird automatisch alarmiert. Besonders bei Wiederbelebungen kann das Leben retten. Mehr als 430 Ehrenamtliche hätten sich bereits ausbilden lassen, haben die Behörden mitgeteilt.

Rettungs-Fachkräfte gefragt

Die mobilen Retter arbeiten ehrenamtlich, sollen aber keinesfalls medizinisch unerfahren sein. Gefragt sind Ärzte, Krankenschwestern, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute. 430 Freiwillige haben in Niedersachsen bereits eine Schulung gemacht, rund 200 weitere haben sich schon angemeldet. Die Ersthelfer bekommen keine spezielle Ausrüstung - denn es geht weder um den Transport von Patienten noch um die Arbeit mit Medikamenten oder medizinischem Gerät. Lediglich wo ein öffentlich zugänglicher Defibrillator vorhanden sei, solle dieser zur Wiederbelebung genutzt werden.

Flexible Einsatzzeiten

Die Helfer geben in ihrer App an, zu welchen Zeiten sie verfügbar sind. Werden sie alarmiert, können aber in diesem Moment dennoch - warum auch immer - nicht helfen, müssen sie es nicht. Sie müssten auch dann nicht mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn zum Beispiel ein Patient stirbt, bestätigte die Sprecherin des Landkreises Emsland gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Im Einsatz besteht für sie zudem über den Landkreis eine Unfall-, Strafrechts- und Verkehrsrechtsschutzversicherung.

Fünfter Standort für Projekt

Mobile Retter gibt es bereits in vier anderen Regionen in Deutschland: In Gütersloh, wo es von einem Facharzt für Notfallmedizin ins Leben gerufen wurde, in Germersheim, Unna und Ingolstadt. In Niedersachsen hätten sich die bislang meisten freiwilligen Helfer gemeldet.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 24.01.2017 | 14:00 Uhr

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