Stand: 13.03.2017 15:50 Uhr

Tote Bärin: Was hat "Tips" so gereizt?

Nicht einmal ein 90 Zentimeter hoher Elektrozaun konnte Bärin "Tips" von ihrer Flucht abhalten: Was hat das Tier so gereizt? Und vor allem so sehr, dass es erschossen werden musste? Laut dem Direktor des Osnabrücker Zoos, Michael Böer, könne über den Auslöser letztlich nur spekuliert werden. So sei es beispielsweise möglich, dass "Tips" eine Maus gesehen habe und deshalb erregt gewesen sei. Grundsätzlich könne ihre Gereiztheit mit dem Ende der Winterruhe zusammenhängen. "In dieser Phase zeigen Bären ein erhöhtes Erregungspotenzial, sie sind leicht reizbar und ihr Verhalten ist schwerer einzuschätzen", so Böer.

4.000 Menschen befanden sich im Zoo

Jetzt soll eine Kommission von externen Fachleuten zumindest herausfinden, wie die 300 Kilogramm schwere Bärin am Sonnabend drei Hindernisse überwinden konnte. "Als Erstes erklomm sie einen Elektrozaun, anschließend hat sie sich durch eine nur 35 mal 40 Zentimeter große Öffnung zur Anlage der Silberfüchse gezwängt", sagte Böer. "Zuletzt drückte und schlug sie mit ihrem Körpergewicht gegen ein Gitter des Außenzauns, das sie aus den Angeln heben konnte. Wie der letzte Schritt passieren konnte, untersuchen wir weiterhin", so Böer weiter. Durch die Fuchsklappe habe sie überhaupt nur gepasst, weil sie durch den Winterschlaf viele Pfunde verloren hatte. "Sie lief dann etwa 150 bis 200 Meter über das Gelände", sagte der Zoodirektor. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 4.000 Menschen im Zoo.

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"Tips" war der Publikumsliebling im Osnabrücker Zoo. Nachdem sie am Sonnabend ausgebrochen war, wurde sie von einem Zoo-Mitarbeiter erschossen. Wie kam es zu dem Vorfall? Video (01:55 min)

"Bereitete sich auf einen Angriff vor"

Das ausgebrochene Tier brachte auf seinem Weg durch die Anlage eine Zoo-Mitarbeiterin zu Fall. Die Frau zog sich durch den Sturz leichte Abschürfungen zu. Anschließend versuchten weitere Mitarbeiter, die Bärin zu beruhigen - ohne Erfolg. "'Tips' machte eindeutige Angriffsgebärden in Richtung eines Mitarbeiters", sagte Zoodirektor Böer. "Sie drohte nicht, sondern bereitete sich auf einen Angriff vor", so Böer wörtlich. Am Sonnabend hatte der Zoo zunächst mitgeteilt, die Bärin habe sich nur "in Richtung der Mitarbeiter bewegt". Laut Böer blieb den Kollegen nichts anderes übrig als die Bärin zu erschießen - es habe keine Alternative gegeben. Nur etwa zehn Minuten dauerte der Ausbruch der Bärin.

Große Betroffenheit im Zoo

"Alle sind tief betroffen von dem Vorfall", so Böer weiter. "Gleichzeitig sind wir aber auch sehr froh, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist." Eine Betäubung des Tiers sei nicht möglich gewesen, weil die Wirkung der Narkose erst nach etwa zehn bis 20 Minuten eintrete. In diesem Fall hätte die Bärin viel Schaden anrichten und auch die Besucher gefährden können. "Da der Zoo zum Zeitpunkt des Ausbruchs ziemlich voll war, waren wir zu diesem schweren Schritt gezwungen, um unsere Gäste zu schützen", sagte Böer. Einige Besucher gerieten laut Andreas Busemann, Geschäftsführer des Zoos, in Panik, die meisten seien jedoch ruhig geblieben - selbst diejenigen, die der Bärin begegneten. Die Polizei lobte das Verhalten von Zoo-Angestellten und Besuchern. Sie hätten besonnen und richtig reagiert. Wie es im Osnabrücker Zoo mit der Haltung der Bären weitergehen soll, ist noch unklar. "Erst einmal muss im Zoo wieder Ruhe einkehren", so Böers.

"Tips" war eine von zwei Hybridbären

Bei der Bärin handelte es sich um eine Mischung aus Braunbär und Eisbär, einen sogenannten Hybridbären. Von dieser Spezies gab es zwei Exemplare im Zoo Osnabrück - das Geschwisterpaar "Taps" und eben "Tips". Der Zoo hatte zunächst fälschlicherweise mitgeteilt, dass "Taps" erschossen worden sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.03.2017 | 14:00 Uhr

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