Stand: 25.08.2017 18:32 Uhr

Tödliches Sportplatz-Duell: Würmer gegen Larven

von Britta Nareyka

Die Spielvereinigung Brandlecht-Hestrup hat 18 Mannschaften, die auf dem Brandlechter Sportplatz von der 5. Kreisklasse bis zur Bezirksliga Fußball spielen. Doch Freistöße, Eckbälle und Hackentricks sind bei Heimspielen des Vereins aus Nordhorn (Landkreis Grafschaft Bentheim) derzeit unmöglich. Der Grund: kleine, weiße Engerlinge, die sich kurz unter der Rasenoberfläche offenbar ausgesprochen wohlfühlen. Seit Wochen breiten sich die Käferlarven immer weiter aus und haben sich mittlerweile zu einer echten Plage entwickelt. Und das Problem sind nicht die Insekten allein. Für Krähen, Dohlen und andere Vögel sind die Larven eine Spezialität. Deshalb picken die Vögel den Rasen kaputt, er gleicht mittlerweile einer Mondlandschaft. Die Stadt hat nun eine Lösung gefunden und erwartet in der kommenden Woche eine ganz besondere Lieferung: Zig Millionen gekühlte Fadenwürmer sollen den Larven den Garaus machen.

Kann der Fadenwurm den Sportplatz retten?

Gefahrloses Spielen nicht mehr möglich

Wie groß das Problem ist, macht ein Blick auf das Feld schnell deutlich. Braune und kahle Stellen mischen sich in großer Zahl unter das eigentlich satte Grün. Für die Spieler entwickeln sich Stolperfallen, gefahrloses Kicken kann längst nicht mehr gewährleistet werden. "Am Sonntag haben wir das letzte Mal auf dem Platz gespielt", sagt Maik Stüvel, der erste Vorsitzende des Vereins, im Gespräch mit NDR.de. "Da flogen dann regelrecht die Fetzen." Am Montag sei der Platz durch das Grünflächenamt der Stadt Nordhorn offiziell gesperrt worden. "Seitdem wurde der Platz jeden Tag neu gewalzt. Auch neues Gras wurde ausgesät", so Stüvel. Doch dieser Versuch einer ersten Schadensbegrenzung habe das Grundproblem nicht lösen können.

Freiwillige breiten Folie aus

Wichtig ist es, die Vögel von ihrer attraktiven Nahrungsquelle abzuschirmen. Dafür wurden nun atmungsaktive Folien über dem kompletten Fußballplatz ausgebreitet. Der Verein hatte zuvor auf seiner Facebook-Seite einen "Aufruf in dringender Sache" gestartet und um Mithilfe gebeten. Daraufhin waren am Freitag rund 30 Freiwillige gut zwei Stunden gemeinsam im Einsatz, um "ihren" Platz zu retten. "Die Leute hier sind aufgebracht", erklärt Maik Stüvel. "Das ist eine Sache, bei der wir alle zusammenhalten müssen."

Spiele und Trainingseinheiten müssen ausfallen

Für den Verein ist die Engerling-Plage eine bittere Sache. Denn nicht nur die in der Bezirksliga spielende Herren-Mannschaft ist von der Platzsperrung betroffen, sondern alle Teams des Vereins. "Wir haben sechs Seniorenmannschaften sowie zwölf Jugendmannschaften, die alle auf diesem Rasen ihre Heimspiele austragen", sagt Stüvel. In den kommenden Wochen werden die Pflichtspiele auf den benachbarten Trainingsplatz verlegt. In dieser Zeit geplante Trainingseinheiten müssten dann sogar komplett ausfallen. "Der Nebenplatz hat kein Flutlicht. Nach der Uhrenumstellung müssen die geplanten Abendspiele dann wohl abgesagt werden."

Spezialfirma liefert Millionen Fadenwürmer

Mittlerweile konnten Experten die genaue Gattung der Insekten bestimmen: Es handelt sich um Larven des sogenannten Gartenlaubkäfers. Sie leben unterirdisch und fressen die Wurzeln der Gräser. "Wir hatten einen solchen Vorfall bisher auch noch nicht", so Reinhold Schnieders vom Grünflächenamt der Stadt Nordhorn. "Darum arbeiten mit nun mit einer Spezialfirma aus dem Ammerland zusammen." Ende der kommenden Woche sollen mehrere Millionen Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, geliefert werden. Diese winzigen, fadenförmigen Lebewesen sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Spezialfirmen züchten die Würmer in hochtechnischen Bioreaktoren. Wichtig ist die kühle Lagerung bei weniger als 12 Grad Celsius. Nur so, sagt Schnieders, können die Fadenwürmer mehrere Wochen überleben.

Dauerhafte Besserung ist nicht garantiert

In Nordhorn verspricht man sich viel von den kleinen Helfern. Die Fadenwürmer sollen von der Spezialfirma direkt in den Boden injiziert werden. Als natürliche Gegenspieler der Insektenlarven dringen sie dann in die Schädlinge ein und fressen sie von innen auf.  "Nach zwei Wochen sollte dann eine klare Besserung der Lage zu sehen sein", so die Hoffnung von Schnieders. Nematoden haben viele natürliche Feinde im Boden, etwa Pilze, Bakterien oder Milben. Ihre Anzahl verringert sich deshalb nach der Ausbringung rapide, die Wirkung lässt mit jedem Tag nach. Ob der Verein auch diesen Kampf auf dem heimischen Rasen gewinnen kann, wird man sehen.

Weitere Informationen

Ein Riecher für Käfer: "Abby" sucht Schädlinge

Eingeschleppte Käfer aus Asien gefährden ganze Wälder. Ein Spürhunde-Team aus Niedersachsen will das verhindern: "Abby" ist die Geheimwaffe gegen die fiesen Schädlinge. (04.05.2017) mehr

Larven des Dickmaulrüsslers bekämpfen

Er hinterlässt Fraßspuren an Blättern und ist nachtaktiv: der Dickmaulrüssler. Die Larven des Käfers fressen die Wurzeln vieler Pflanzen und sollten dringend bekämpft werden. (08.03.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 25.08.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:41

Streit um Kosten für Straßenausbau in Springe

21.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen