Stand: 11.07.2017 15:34 Uhr

Tod von Susanne F. in Höxter: Doch kein Mord?

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Wilfried W. und seine Ex-Frau müssen sich wegen Misshandlungen vor Gericht verantworten, die in zwei Fällen tödlich endeten. (Archivbild)

Die beiden Angeklagten im Höxter-Prozess erwarten möglicherweise mildere Strafen als zunächst angenommen: Den ursprünglichen Vorwurf des vollendeten Mordes durch Unterlassen erhält die Staatsanwaltschaft in einem der beiden Todesfälle nicht mehr aufrecht. Wilfried und Angelika W. müssen sich vor dem Landgericht Paderborn verantworten, weil sie über Jahre Frauen misshandelt haben sollen. Zwei der mutmaßlichen Opfer, Annika W. aus Uslar und Susanne F. aus Bad Gandersheim (Landkreis Northeim), starben infolge ihrer schweren Verletzungen.

Todesursache: Schädelhirntrauma nach Sturz

Ein Gutachter hatte in der Verhandlung die Ergebnisse der Obduktion von Susanne F. vorgestellt. Sie starb demnach an einem Schädelhirntrauma, das sie sich bei einem Sturz zugezogen habe. Dem Gutachter zufolge war für einen Laien nicht erkennbar, dass sie sofort ins Krankenhaus gemusst hätte. Ein Mord durch Unterlassen, wie er in der Anklage aufgeführt ist, hätte juristisch aber nur vorgelegen, wenn Wilfried und Angelika W. sich dessen bewusst gewesen wären. "Vollendeter Mord durch Unterlassen - der Nachweis ist im Fall von Susanne F. nicht zu führen", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer am Dienstag. Anhand des Gutachtens gehe er stattdessen von einem versuchten Mord durch Unterlassen aus. Dies könne zu einer milderen Strafe führen, müsse es aber nicht, erklärte Meyer.

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Nach Susanne F.s Tod fliegt das Ex-Ehepaar auf

Susanne F. war im März 2016 zu Wilfried W. auf dessen Gehöft in Höxter-Bosseborn (Nordrhein-Westfalen) gezogen. Er lebte dort zusammen mit seiner Ex-Ehefrau Angelika. Mehrere Wochen wurde F. dort nach Erkenntnissen der Ermittler festgehalten und misshandelt. Ende April wollte das Ex-Ehepaar W. die schwer verletzte Frau mit dem Auto zurück in ihre Wohnung in Bad Gandersheim bringen. Wegen eines Motorschadens kamen Wilfried und Angelika W. in Northeim jedoch nicht weiter. Sie riefen einen Rettungswagen für Susanne F., die wenige Stunden später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Die Ärzte alarmierten die Polizei - dadurch flogen die mutmaßlichen Praktiken des Ex-Ehepaars auf.

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Erstes Todesopfer zerstückelt und verbrannt

Wilfried W. soll Frauen über Zeitungsannoncen zu sich gelockt und dann gemeinsam mit seiner Ex-Frau misshandelt haben. Das erste Todesopfer, Annika W., hatte 2013 auf eine solche Anzeige geantwortet. Sie heiratete Wilfried W. im Sommer 2013. Angelika W. hat im Prozess ausgesagt, dass sie und ihr Ex-Mann die Frau gemeinsam gequält und misshandelt hätten. Im August 2014 starb Annika W. an ihren Verletzungen. Ihren Leichnam sollen Wilfried und Angelika W. zunächst in einer Tiefkühltruhe eingefroren, ihn später zerstückelt und die Stücke im Kamin verbrannt haben. Angelika W. will nach dem Tod des Opfers regelmäßig SMS von Annika W.s Handy an deren Mutter geschickt haben, um den Tod der Frau zu verschleiern. Bis Ende April 2016 ging die Mutter davon aus, dass ihre Tochter am Leben sei.

Der Prozess gegen die beiden Angeklagten hatte im Oktober 2016 begonnen. Neben den beiden Verstorbenen sollen sie mindestens sechs weitere Frauen auf ihrem Hof festgehalten und schwer misshandelt haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 11.07.2017 | 14:30 Uhr

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