Stand: 13.03.2016 19:56 Uhr

Tauschen statt kaufen: Osnabrücks anderer Flohmarkt

von Britta Nareyka

Das Phänomen kennt wahrscheinlich so gut wie jeder: Im Kleiderschrank stapeln sich Klamotten, die man noch nie an hatte - und sicherlich auch nie wieder anziehen wird. Oder: Man bekommt Dinge geschenkt, die nur unnötig rumstehen, weil man sie dann doch nicht direkt wegschmeißen mag. Oder: Man kauft Deko-Zeug, das dann doch direkt in der Schublade landet, weil in der Wohnung der geeignete Platz dafür fehlt. Die große Frage bei den verschiedenen Szenarien bleibt die gleiche: Wohin bloß mit all dem überflüssigen Kram? In Osnabrück gab es am Wochenende eine passende Antwort. Auf dem Campus der Hochschule Osnabrück fand zum ersten Mal der "First Hand Markt" statt. Das Motto dabei: Tauschen statt kaufen oder wegschmeißen - ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Tauschmarkt: Shoppen mit leerem Portemonnaie

Für jedes Teil einen Kronkorken

Schon eine halbe Stunde bevor sich die Türen öffnen, bilden sich erste Schlangen auf dem Campus. Osnabrücks erster Tauschmarkt - das wollen sich viele nicht entgehen lassen. Mit einem solchen Andrang bei der Premiere haben die drei Organisatorinnen nicht gerechnet. "Das war schon Wahnsinn. Obwohl es sich ja nach diesem ersten großen Zulauf etwas entspannt hat", so Natalia Spetter. Die Wirtschaftspsychologie-Studentin hatte die Idee zu dieser besonderen Tausch-Aktion, die sie selbst in ähnlicher Form schon einmal in Hannover miterlebt hat. "Ich habe dann zwei Kommilitoninnen überzeugen können. Und dann haben wir das einfach gemacht", berichtet die 29-Jährige. Das Prinzip dahinter ist eigentlich ganz einfach: Die Besucher bringen gut erhaltene Dinge von zu Hause mit, die sie selbst nicht mehr braucht. Pro Person sind dabei maximal fünf Dinge erlaubt: Kleidung, Küchenutensilien, CDs, aber auch selbst gebastelte Dinge. Diese werden am Eingang gegen bunte Kronkorken eingetauscht. "Das sind unsere Tauschmarken, damit dürfen die Leute dann auf Erkundungstour gehen und sich was Neues aussuchen", erklärt die Organisatorin.

Bücher und eine Hängematte, Spiele und ein Picknick-Set

Gesagt, getan: Die Besucher durchstöbern die verschiedenen Tische, auf denen die angesammelten Sachen ausgestellt sind. Manches liegt dort nur wenige Sekunden, bevor sich ein neuer Besitzer gefunden hat, der seine neue Errungenschaft dann - im Tausch gegen eine seiner Marken - mit nach Hause nehmen darf. Spiele, Bücher und Klamotten gehören zu den gängigsten Dingen. Doch es sind auch ausgefallenere Artikel dabei: "Eben hatten wir schon eine Hängematte, die ist aber auch direkt wieder weggegangen, dann ein noch originalverpacktes, komplettes Picknick-Set, aber auch technische Sachen wie einen W-Lan-Router oder irgendwelche Kabelanschlüsse für den Computer", berichtet Spetter.

Zwei Kaffeemaschinen und ein Wäscheständer

Auch Studentin Luzia Achatz läuft durch die Reihen. Tassen und ein Kännchen hat sie in den (Tausch-)Ring geworfen, nun ist sie auf der Suche nach Brauchbarem. "Gerade mir als Studentin fehlt das Geld für teure Neuanschaffungen. Da ist das hier genau das Richtige", sagt die junge Frau, die im vierten Semester Ergotherapie studiert und sich erst seit Kurzem ihren eigenen Haushalt aufbaut. Wenige Minuten später präsentiert sie die erste Ausbeute: zwei Espressokannen. "Eine für mich, eine als Geschenk für eine Freundin." Und gleich darauf hat sie ein neues Objekt der Begierde ausgemacht: einen Wäscheständer für die Badewanne. "Der ist super, den nehm' ich auch noch mit."

Fortsetzung folgt?

Auch die Organisatorinnen sind begeistert: "Es läuft wirklich gut. Wir wussten ja selber gar nicht, wie das hier angenommen wird", sind sie sich einig. Vor allem mit der bunten Publikums-Mischung hätten alle drei nicht gerechnet. "Wir hatten gedacht, dass vor allem Studenten kommen. Wir sind ja hier auch direkt in der Hochschule. Aber es sind auch echt viele ältere Leute da, Familien mit Kindern, das ist richtig schön zu sehen." Auch aus der direkten Nachbarschaft kommen neugierige Besucher. "Viele sind dann noch mal in ihre Wohnungen zurückgegangen, um Sachen zum Tauschen zu holen." Nach drei Stunden ist Schluss. Was bis dahin keinen neuen Besitzer gefunden hat, geht an ein soziales Kaufhaus in Osnabrück. Ob es eine Fortsetzung geben wird, ist noch offen. "Von uns aus sofort. Viele der Leute haben auch schon gefragt. Wir hoffen, dass es nicht der letzte 'First Hand Markt' war in Osnabrück", sagen die Organisatoren.