Stand: 15.05.2017 07:00 Uhr

"Es ist kein Spaß, ein Känguru zu fangen"

von Hedwig Ahrens

Ja, wo hüpft es denn? Ein Känguru sorgt im Emsland weiter für Gesprächsstoff. Immer wieder melden sich Spaziergänger bei der Polizei, die das Beuteltier in freier Wildbahn gesehen haben wollen. Letzter Stand: Es soll sich am Rand eines Feldes im Geester Ortsteil Osterbrock häuslich eingerichtet haben. Was weiter mit dem offenbar entlaufenen Tier geschieht, weiß niemand - denn keiner fühlt sich zuständig. Insbesondere ein Halter hat sich bislang nicht gemeldet. Doch dass ein Känguru bislang ohne menschlichen Halter im Emsland gelebt hat - das dürfte wohl eher unwahrscheinlich sein. Geestes Bürgermeister Helmut Höke (CDU) mutmaßte im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen, dass es sich um ein Känguru handeln könnte, das 2015 in Herzlake gesichtet wurde. Dafür müsste es knapp 20 Kilometer weit gehüpft sein - eine Distanz, die auch mäßig sportliche Beuteltiere bewältigen könnten. Die Frage nach dem Halter wäre damit allerdings immer noch nicht beantwortet.

Ein Exot im Emsland

Doch woher auch immer das Tier stammt - im kleinen Lebensmittel-Laden in Osterbrock ist es seit Tagen Thema. "Die Kunden fragen: Hast Du auch das Känguru gesehen? Ist es bei Dir schon vorbeigelaufen?", erzählt Verkäuferin Manuela Mers. "Ich selbst hab' es noch nicht gesehen." Als gesichert gilt unter lokalen Känguru-Kennern: Der braungraue Exot hält sich am Ortsrand von Osterbrock auf. Denn dort haben Anwohner der Verbindungsstraße nach Teglingen das kleine Beuteltier schon mehrfach gesehen. Auf einem Sandweg knapp 500 Meter von seinem Zuhause hat etwa ein Landwirt einen hüpfenden Punkt gesichtet: "Wenn wir aus dem Fenster gucken, sehen wir fast alles: Fasane, Hasen, Rehe", erzählt er. "Und heute morgen haben wir dann das Känguru gesehen."

Dutzende Sichtmeldungen

Auch Schulkinder gehören zu den Augenzeugen des Pflanzenfressers: Aus einem Bus haben mehrere Kinder den Zweibeiner dabei beobachtet, wie er Wasser aus einem Graben getrunken hat. Zahlreiche Meldungen dieser Art landen auf dem Schreibtisch von Polizeisprecher Dennis Dickebohm. "Ja, wir haben in den vergangenen drei Tagen Meldungen im zweistelligen Bereich erhalten", sagt er. "Das Tier bewegt sich nicht groß von der Stelle. Es ergreift allerdings die Flucht, sobald man sich ihm nähert."

Von Beeren und Ästen: Wie Kängurus im Emsland leben

Polizei und Landkreis wollen nicht zuständig sein

Sollte das Zwergkänguru sich einfangen lassen, könnte es wieder artgerecht untergebracht werden. Doch offenbar hat daran niemand Interesse. Da das Tier flüchtig ist und von Spaziergängern gefunden wurde, sei es ein Fundtier, sagte eine Sprecherin des Landkreises Emsland. Die Behörde ist damit nicht zuständig. Auch die Polizei winkt ab. "Von dem Tier und für das Tier geht keine Gefahr aus", sagte Sprecher Dickebohm. "Und da unsere Aufgabe eben die Gefahrenabwehr wäre, sind wir in diesem Fall einfach nicht zuständig." Ein mögliche Anlaufstelle wäre der Tierpark Nordhorn, wo Kängurus leben. Dessen Tierärztin Heike Weber geht davon aus, dass es sich nach den Beschreibungen um ein Bennett-Känguru handeln könnte, von dem auch mehrere Exemplare im Tierpark leben. Die Art hat eine große Verbreitung in Australien und Neuseeland und ist nicht vom Aussterben bedroht. Im Emsland ist sie allerdings bislang nicht heimisch.

Tierärztin: Tier könnte durchaus überleben

Der Zoo könnte den aktuell wild lebenden Artgenossen aus Osterbrock in einer Auffangstation aufnehmen. Dazu müssten sie aber um Amtshilfe gebeten werden, so Weber. Sie warnt Spaziergänger davor, das Tier auf eigene Faust einzufangen. "Zuerst muss man wissen, wie man ein Känguru fängt, ohne sich selbst zu verletzen. Die können nämlich wahnsinnig mit den Beinen ausschlagen und treten. Sie haben scharfe Krallen und können damit durchaus auch den Bauch aufschlitzen." Die Veterinärin sieht eine Alternative zum Freiheitsentzug: Wenn man es in Ruhe lasse, habe das exotische Tier durchaus gute Chancen, im Emsland alt zu werden. Nahrung sei genug da, auch den Winter würde das Känguru schaffen, so Weber. Ihre Zukunftsprognose ist dennoch düster: "Die größte Gefahr ist, dass es von einem Auto oder Zug überfahren werden könnte."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 11.05.2017 | 17:00 Uhr

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