Stand: 10.09.2015 15:05 Uhr

Saubere Schiffe: Reeder testet neue Technologie

von Joop Wösten

Ob Binnenschiffe zu den größeren Umweltverschmutzern gehören, oder nicht - das ist eine Frage der Perspektive. Auf der einen Seite ersetzen sie etliche Lkw und sparen dadurch eine Menge Sprit ein. Auf der anderen Seite stoßen sie im Vergleich zu Lastwagen aber auch ein Vielfaches an Ruß aus. Genau das könnte sich jetzt ändern. Denn eine neue Technologie sorgt dafür, dass kaum noch Ruß entsteht, die Belastung kann um 95 Prozent reduziert werden: Die Kraftstoff-Wasser-Emulsions-Anlage (KWE-Anlage). Der Harener Reeder Martin Deymann ist einer der ersten, der diese Technologie dem Praxistest unterzogen hat.

Wasser wird in den Verbrennungsmotor eingespritzt

"Wir Binnenschiffer sind sehr vorsichtig und konservativ", sagt Deymann. "Aber ich möchte, dass unsere Schiffe sauberer werden und wir unsere Stellung im Transportgewerbe in ein besseres Licht rücken." Zwei Schiffe hat der 45-jährige Reeder mit der neuen Technologie ausgerüstet. Eines davon, die "Rudolf Deymann", hat jetzt drei Jahre und 8.000 Betriebsstunden auf dem Buckel. Zeit für eine gründliche Revision. Schiffsführer Mario Hüttges ist noch etwas skeptisch: "Wir haben ja gelernt, dass Wasser im Motor nicht gut ist", sagt er. Dabei setzt die Technologie genau auf diesen Effekt. Vereinfacht erklärt, wird Wasser in den Verbrennungsmotor eingespritzt. Der Kraftstoff legt sich wie ein Mantel um die mikroskopisch feinen Wassertröpfchen. Bei der "Explosion" im Zylinder zerstäubt dieses Gemisch. Die Verbrennung ist dadurch wesentlich feiner und sauberer.

"Unsere Schiffe sollen sauberer werden"

"Die Erwartungen wurden sogar noch übertroffen"

Die Befürchtungen, das Wasser könnte auf Dauer zu Korrosionsschäden führen, wurden bei der Revision auf der Werft in Rotterdam nun gründlich widerlegt. "Die Erwartungen wurden sogar noch übertroffen", freut sich Hüttges. Sein Chef, Martin Deymann, überlegt nun, weitere Schiffe mit der KWE-Anlage auszurüsten. Er fordert dazu aber auch weitere Anreize vom Gesetzgeber. "Die Bemühungen müssten doch wenigstens bei den Anschaffungskosten von etwa 80.000 Euro honoriert werden", sagt er.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.09.2015 | 19:30 Uhr