Stand: 21.01.2016 08:46 Uhr

Pediküre im Elefantenhaus

von Britta Nareyka

Genau wie der Mensch muss auch der Elefant regelmäßig seine Fußnägel pflegen. Oder besser gesagt: pflegen lassen. Diesen Job übernehmen die Tierpfleger. "Das hat allerdings keinen kosmetischen, sondern einen rein medizinischen Grund", sagt Detlef Niebler, Elefantenrevierleiter im Zoo Osnabrück. Statt mit kleiner Nagelschere rückt er mit der Raspel an. Doch wie schafft es ein Tierpfleger einem über eine Tonne schweren Asiatischen Elefanten die Fußnägel zu feilen? "Für ein Stück Brot macht so ein Elefant schon einiges", sagt Niebler.

Wenn ein Elefant ins Nagelstudio geht

Hören auf Kommandos erspart die Vollnarkose

Doch das Brot allein reicht nicht. Viel wichtiger ist das tägliche Training mit den Tieren. Das gute Gehorchen und das Hören auf Kommandos erspart den tonnenschweren Tieren bei medizinischen Untersuchungen oft sogar die Vollnarkose. "Target-Training" nennt sich diese Methode, die sich im Zoo Osnabrück seit Jahren bewährt hat. Ein Bambusrohr mit einem Tennisball an der Spitze, ein Beutel mit Brotstückchen und etwas Geduld - das sind die drei Zaubermittel, mit denen Detlef Niebler seine Schützlinge trainiert.

Geschützter Kontakt durch das Gitter

Mit dem Stock tickt Niebler die Elefanten an. Dann ruft er ihnen die einstudierten Kommandos zu, wie zum Beispiel "Lift, 'Shanti'". Der achtjährige Jungbulle "Shanti" weiß: Jetzt ist er gefragt. Durch ein Gitter ist er von seinem Pfleger getrennt, doch die beiden stehen nun in direktem Kontakt zueinander. "Geschützter Kontakt" - so nennen das die Fachleute. Brav stellt der Elefant seinen linken Fuß in das kleine Fenster des Gitters. Der Tierpfleger zückt seine grobe Feile und macht sich an den Zehen zu schaffen. "Da darf nichts abstehen, denn sonst fangen die an, daran herumzufummeln - fast wie wir Menschen."

Ein Mann berührt den Rüssel eines Elefanten. © NDR Fotograf: Britta Nareyka

"Es geht um praktische Füße"

Auch Elefanten brauchen Fußpflege - und das vor allem aus medizinischen Gründen. Mit der Pediküre soll verhindert werden, dass sich die Tiere die Nagelränder einreißen.

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Kein Zwang, keine Bestrafung

Zur Pflege werden die Elefantenfüße ab und zu mit Vaseline eingeschmiert. "So wie wir Handcreme benutzen", erklärt der Tierpfleger. "Shanti" lässt die Prozedur geduldig über sich ergehen. Als Belohnung gibt es ein Stückchen Brot. "Das ist ganz wichtig. So behält er diese Übung in guter Erinnerung", so Niebler. Das Wichtigste an diesem medizinischen Training sei die freiwillige Mitarbeit der Tiere. "Das darf kein Zwang sein. Bestraft wird hier keiner, selbst wenn er mal keine Lust hat und nur Quatsch macht", so der Elefanten-Experte. Doch wer nicht richtig mitmacht, bekommt eben auch keine Belohnung.  "Das merken die sich ganz genau", sagt der Pfleger.

Tiere haben 30 Kommandos drauf

Für die beiden Osnabrücker Jungbullen "Shanti" und "Shahrukh" ist das Training eine Abwechslung im Elefanten-Alltag. "Die beiden machen das gut, sind meistens mit Eifer dabei. Auch, wenn es natürlich Tage gibt, an denen sie absolut keine Lust haben", sagt Niebler. Insgesamt haben seine Elefanten mittlerweile rund 30 Kommandos verinnerlicht: Unter anderem heben sie ihre Füße, stehen still, klappen ihre Ohren ab, sperren das Maul auf und legen sich sogar auf den Boden.