Stand: 29.01.2016 16:53 Uhr

Patientin stirbt nach Unglück in Radiologie

In der Paracelsus-Klinik in Osnabrück hat es einen tragischen Zwischenfall gegeben. Bei einer radiologischen Untersuchung wurde eine Patientin von einer sogenannten Gamma-Kamera eingequetscht. Diese wird in der Radiologie zur Früherkennung unterschiedlicher Krankheiten genutzt. Das Gerät fuhr herunter, ließ sich dann aber nicht stoppen, wie eine Sprecherin der Klinik sagte. Der dafür vorgesehene Notfallknopf habe nicht funktioniert. Die 77-jährige Patientin starb am Sonntag, drei Tage nach der Untersuchung.

300-Kilogramm-Kopf ließ sich nicht mehr steuern

Die Patientin aus dem nahegelegenen Recke (Nordrhein-Westfalen) sollte mit der Gamma-Kamera auf mögliche Gewebeveränderungen untersucht werden. "Die Bedienerin hat das Gerät über sie gesetzt", erläuterte Alexander Retemeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück. Dann sei aber eine Kette gerissen, die den Kopf des Geräts in Position hält. "Der Kopf ist etwa 300 Kilo schwer und hat sich dann auf die Patientin herabgesenkt. Sie ist sofort bewusstlos gewesen und letztlich verstorben", so Retemeyer.

Staatsanwaltschaft geht von technischem Defekt aus

Wie die Klinik mitteilte, war die Gamma-Kamera erst eine Woche zuvor routinemäßig gewartet worden - es habe keine Beanstandung gegeben. "Wir haben das Gerät begutachten lassen", so Retemeyer. "Einen Bedienfehler durch die Helferin können wir ausschließen. Das Gerät ist frisch gewartet worden, es war also auch kein Wartungsfehler. Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um einen technischen Fehler handelt." Dass möglicherweise ein grundsätzlicher Konstruktionsfehler des Geräts der Auslöser war, hält Retemeyer für unwahrscheinlich. Das Gerät sei offenbar seit vielen Jahren in vielen Ausführungen auf dem Markt, "und es ist nach unseren Erkenntnissen noch nie zu einem derartigen Reißen der Kette gekommen", so der Oberstaatsanwalt.

Verdacht auf fahrlässige Tötung

"Wir bedauern den Todesfall außerordentlich", so die Klinik in einer offiziellen Stellungnahme. Man arbeite sehr eng mit den Behörden zusammen und habe engen Kontakt zu den Angehörigen des Todesopfers. Es habe außerdem bereits eine gutachterliche Untersuchung der Gamma-Kamera gegeben - unter Aufsicht der Kriminalpolizei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt laut Retemeyer wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Eine wichtige Frage sei dabei, ob die Wartungsfirma oder die Klinik für den Vorfall verantwortlich ist. In der kommenden Woche soll ein erstes Gutachten dazu vorliegen.

Dieses Thema im Programm:

Regional Osnabrück | 29.01.2016 | 16:30 Uhr