Stand: 04.09.2017 14:38 Uhr

Osnabrücker forschen an der "Niedersachsentomate"

von Josephine Lütke

Groß wie eine Orange, hart wie ein Apfel und wenn man reinbeißt, schmeckt sie wässrig. Besonders importierte Tomaten schmecken oft gar nicht wie Tomaten schmecken sollen. Forscher der Hochschule Osnabrück wollen das jetzt ändern. Aus knapp 100 Zuchtlinien wollen sie die beste Tomate Niedersachsens herausfiltern. Drei Jahre werden die Früchte dafür ganz genau untersucht, beobachtet und probiert.

Die neuen Tomaten werden getestet.

Niedersachsen bald Tomaten-Land?

Hallo Niedersachsen -

Die Hochschule Osnabrück hat sich das Ziel gesetzt, eine Tomatensorte zu züchten, die das ganze Jahr über in Niedersachsen wachsen kann: die "Niedersachsentomate".

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Formen, Wachstum und Menge

Die Wuchsform, die Formierbarkeit und die Fruchtansätze: Das sind die drei wichtigsten Faktoren in der Tomatenforschung. "Perfekt wäre es, wenn die Pflanzen schnell wachsen, gut an den Schnüren hoch wachsen und viele Blüten pro Wickel bilden", so erklärt Andreas Ulbrich, Gartenbauwissenschaftler an der Hochschule Osnabrück, die drei Faktoren. Wickel nennen die Wissenschaftler die Sträucher, an denen die Früchte in kleinen Gruppen wachsen. Das Ziel bei großen Tomaten ist, dass nur vier bis sechs Früchte pro Wickel wachsen, bei kleinen Tomaten können es gar nicht genug sein. Dennoch sollen die Tomaten gut schmecken. In der Massenproduktion wird das oft vernachlässigt. Wenn nur auf schnelles Wachstum und hohe Erträge gesetzt werde, verlieren Tomaten Geschmack und Nährstoffe, sagt Ulbrich.

Bei Tomaten geht es nicht nur um die Schönheit

Grundlagenforschung in Göttingen

An der Universität in Göttingen wird seit Jahren an verschiedenen Tomatenlinien geforscht. Durch Kreuzungen haben die Wissenschaftler knapp 100 Linien entwickelt. "Wir wussten von den Göttinger Züchtungen mit ihrem Fokus auf die Geschmacksqualität", sagt Ulbrich. Auf dieser Grundlage und in Kooperation mit den Göttinger Kollegen sollen nun aus den Linien - wie es bei den Forschern heißt - Sorten werden. Und das geht nur, wenn die Linien "anbauwürdig" sind. - Wenn sie also allen Geschmacks- und Anbauansprüchen genügen.

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Andreas Ulbrich von der Hochschule Osnabrück sucht in dem Forschungsprojekt nach der perfekten Tomate aus Niedersachsen.
Weg von der Globalisierung

Um herauszufinden, welche Linien sich als Sorten eignen, wollen die Osnabrücker Forscher das erste Mal auch Tomatenverkostungen machen. Einzelhändler, Anbauer und ganz normale Verbraucher sollen die Tomaten probieren. Denn: Wie genau die perfekte Tomate schmeckt und das Mundgefühl ist, muss erst einmal herausgefunden werden. Klar ist allerdings, dass die Tomaten nicht hart sein sollen. Die sogenannte Schalenfestigkeit ist nämlich hauptsächlich wichtig, damit die Früchte weite Transportwege überstehen und auch bei einer längeren Lagerung keinen Schaden nehmen. "Das ist für uns nicht wichtig", sagt Ulbrich. Denn die Osnabrücker wollen eine Sorte herausfiltern, die regional angebaut werden kann. - Egal, ob im Gewächshaus von kleinen oder großen Unternehmen oder mitten in der Stadt auf Dächern oder im Schrebergarten. "Wir wollen weg von der Globalisierung bei den Tomaten", sagt Ulbrich.

Vom Land gefördert

Optimal angepasst, beste Qualität und perfekt für den regionalen Anbau: Dieses Forschungsziel überzeugte auch das Land. Mit 800.000 Euro fördert das Ministerium für Wissenschaft und Kultur das Projekt. Um nah an der Praxis zu forschen, setzen die Wissenschaftler auch auf eine Papenburger Gartenbauzentrale als Kooperationspartner.

Von der Linie zur Sorte

Seit dem Frühjahr werden alle fast 100 Linien aus Göttingen in Osnabrück angebaut. Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Linien auf etwa 20 reduziert werden. Erst diese qualifizieren sich für die Verkostung. Etwa drei bis fünf Linien könnten es am Ende des Forschungsprojekts schaffen. "Die würden wir dann zu Sorten erheben", sagt Ulbrich. Sprich: Sie werden beim Bundessortenamt in Hannover eingetragen. Eine Namensidee für die beste Tomate haben die Wissenschaftler auch schon: "Die Niedersachsentomate - das wäre unser Traumziel", sagt Ulbrich.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 04.09.2017 | 19:30 Uhr