Stand: 07.09.2015 10:10 Uhr

Osnabrücker beweisen Sitzfleisch

von Josephine Lütke

In einer großen Traube stehen am Sonntag etliche Passanten, Freunde und Neugierige um drei Pfahlsitzer in der Osnabrücker Innenstadt. Aus zwei Boxen tönt laute Popmusik. Ein Moderator heizt das Publikum an. Dann der Countdown und schließlich klatschen alle. Es ist geschafft: Vier Tage und Nächte haben drei von vier Teilnehmern der zweiten Pfahlsitzmeisterschaften auf 2,50 Meter hohen Pfählen gesessen und somit jeweils 1.333 Euro gewonnen. Ein Mitstreiter stieg am Freitag ab. Unter den Gewinnern ist Titelverteidiger Reinhard Beermann. Das vorige Mal habe er nur aus Spaß mitgemacht. "Jetzt wollte ich zeigen, dass ich es nochmal kann", sagt er. Das Preisgeld will er für einen guten Zweck spenden. Auch Studentin Eva Steinbach hat es geschafft. Von dem Gewinn will sie ihr Studium mitfinanzieren. Ebenfalls bis zum Schluss durchgehalten hat Ines Schmidt, die von dem Geld ihr Auto reparieren lassen will.

Auf die Plätze, fertig, sitz!

Das Bett und eine heiße Dusche

"Gerade denke ich nur noch an das Bett", sagt Ines Schmidt. Auch eine heiße Dusche steht auf der Wunschliste der Teilnehmer ganz oben. Schließlich mussten die Kandidaten bei Wind und Wetter sitzen bleiben. "Das Schlimmste ist die Nässe bei Nacht", sagt Reinhard Beermann. "Und vorletzte Nach hat es die ganze Zeit geregnet." Nur alle zwei Stunden durften sie ihren Pfahl für 15 Minuten verlassen. Überwacht wurde das Ganze von einem Schiedsrichter.

0,25 Quadratmeter ist die Plattform groß und in 2,5 Höhe angebracht. Dazu gibt es einen kleinen Holzvorsprung auf dem die Kandidaten ihre Füße abstellen konnten. Eine Rückenlehne? Fehlanzeige. "Ich bin sehr klein und konnte mich zum Schlafen zusammenrollen wie eine Katze", sagt Eva Steinbach. "Doch so langsam werde ich echt müde." Reinhard Beermann ist größer. "Ein bis anderthalb Stunden kann man schlafen, mehr nicht", sagt er.

Kreislaufprobleme und Wadenkrämpfe

Student Markus Stritze kam am Freitag nach 27 Stunden auf dem Pfahl herunter. "Ich bin an meine körperlichen Grenzen gestoßen", sagt er. Er habe Krämpfe in den Waden und Kreislaufprobleme gehabt. "Das wurde mir zu gefährlich." Dennoch sei das Pfahlsitzen eine tolle Erfahrung gewesen. Deshalb will er es beim nächsten Mal wieder versuchen. "Dann werde ich mich allerdings mental besser vorbereiten und Meditationsübungen machen", so der Student.

Neben den Strapazen haben die Kandidaten auch viel Hilfe, Zuspruch und Herzlichkeit erfahren. "Man hat viele Menschen getroffen. Mein ganzer Freundeskreis war hier", sagt Ines Schmidt. Einige Freunde von Studentin Eva Steinbach kamen zum Finale am Sonntag. Eine Sektflasche wird geköpft. Doch lange bleiben sie nicht mehr. Denn jetzt werden die Osnabrücker Pfahlsitzer erst einmal schlafen.