Stand: 23.02.2016 19:19 Uhr

Osnabrücker Zoo will Orang-Utans züchten

von Josephine Lütke

Der Osnabrücker Zoo wird im Herbst ein zweites Orang-Utan-Pärchen aufnehmen. Männchen "Damai" aus Ungarn und Weibchen "Dayang" aus den Niederlanden sollen für Nachwuchs sorgen. "Wenn alles klappt, könnte das erste Baby der beiden Borneo-Orang-Utans 2019 geboren werden", sagt Zoodirektor Michael Böer. Eigentlich habe der Zoo keine Orangs mehr aufnehmen wollen, so Böer. "Buschi" und "Astrid" sollten die letzten sein. Das modernisierte Menschenaffenhaus, das im Sommer fertig wird, biete jedoch so viel Platz, dass der Zoo laut Säugetiergutachten sogar sechs erwachsene Orang-Utans aufnehmen könnte. "So viele wollen wir aber nicht", so Böer.

Neue Mitbewohner für "Buschi" und "Astrid"

Geeignete Plätze zu finden, ist schwierig

Nun habe der Koordinator des Zuchtbuches aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) angefragt, ob der Zoo ein weiteres Paar aufnehmen könne. Die Situation in freier Wildbahn - in den Regenwäldern Borneos und Sumatras - habe sich so drastisch verschlechtert, dass die Tiere dringend nachgezüchtet werden müssen, sagt Böer. Geeignete Plätze für die Tiere zu finden, sei zudem sehr schwierig. Das seien schließlich die Gründe für die Entscheidung gewesen, "Damai" und "Dayang" aufzunehmen.

"Genetisch hochwertvoll"

Die zwölf und zehn Jahre alten Tiere aus Apeldoorn in den Niederlanden und aus Sóstó in Ungarn seien genetisch hochwertvoll, sagt Zoogeschäftsführer Andreas Busemann. Laut Zoodirektor Böer sei es zudem unwahrscheinlich, dass die beiden sich nicht verstehen. Auch die Vergesellschaftung mit "Buschi", "Astrid" und den Weißwangenschopf-Gibbons werde voraussichtlich gut funktionieren, so Böer. "Die Tiere sind sehr gutmütig und offen." Bevor "Damai" und "Dayang" nach Osnabrück kommen, werden die Zoomitarbeiter sie in ihren Zoos besuchen und auch mit den Tierpflegern sprechen.

Ausstieg aus der Zucht möglich

Da sich die Ansprüche und Vorgaben an die Tierhaltung immer wieder verändern, gibt es laut Zoogeschäftsführer Busemann eine "Exit-Strategie". Sollten die Haltungsbedingungen in einigen Jahren nicht mehr ausreichen oder die Besucher das so empfinden, könne der Zoo aus der Orang-Utan-Zucht auch wieder aussteigen, sagt Busemann. Wie die Menschenaffenhaltung im Osnabrücker Zoo noch vor 20 oder 10 Jahren war, sei heute undenkbar.

Kein Nachwuchs bei "Buschi" und "Astrid"

"Buschi", der eigentlich Buschmann heißt, ist im Dezember 44 Jahre alt geworden. Bis zu 50 oder sogar 60 Jahre alt können die Tiere im Zoo werden. 1971 wurde der Hybrid aus Sumatra- und Borneo-Orang-Utan als erster Menschenhaffe in Osnabrück geboren. Als Mischling ist er für die Zucht nicht geeignet. Und Orang-Utan-Weibchen "Astrid" ist bereits zu alt, um Junge zu bekommen.

Umbau im Sommer fertig

Der Umbau und die Vergrößerung des Menschenaffenhauses sind in vollem Gange. Es wird im Stil der kambodschanischen Tempelanlage "Angkor Wat" gestaltet und etwa 1,4 Millionen Euro kosten. Nach und nach sollen die Orang-Utans und die Gibbons die neuen Bereiche nutzen können. Bis dahin haben die Tiere noch viel zu gucken - schließlich wird um die Tiere herum gebaut. Ein Umzug wäre für die Affen stressiger gewesen und außerdem seien sie an den Arbeiten sehr interessiert, so Tierpfleger Detlef Niebler. "Buschi" kenne mittlerweile alle Handwerker. Doch Vorsicht, Orang-Utans sind sehr schlau: "Man sollte vermeiden, dass 'Buschi' den ganzen Bau verfolgt. Sonst könnte er alles zurückbauen", sagt Niebler - und lacht.

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