Stand: 25.02.2016 14:52 Uhr

NOZ-Gruppe geht auf Einkaufstour im hohen Norden

Die NOZ-Gruppe will sich vergrößern - und die in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ansässige medien holding:nord-Gruppe übernehmen.

Der Sprung unter die Top 10 ist geschafft - zumindest, wenn die Kartellbehörde grünes Licht gibt: Die Osnabrücker NOZ Medien will die medien holding:nord-Gruppe (mh:n) übernehmen. Damit wäre die NOZ-Gruppe, die unter anderem die "Neue Osnabrücker Zeitung" herausgibt, in den Kreis der zehn größten Zeitungsverlage aufgestiegen. Die Auflage der NOZ-Titel läge dann bei etwa 460.000 Exemplaren. Bei der mh:n, zu der auch der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) gehört, erscheinen insgesamt 33 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 285.000 Exemplaren; dazu mehr als 40 Anzeigenblätter mit einer Auflage von 3,4 Millionen. Die Gruppe beschäftigt in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern 1.500 Mitarbeiter. Zu den Zeitungen der mh:n gehören unter anderem die "Schweriner Volkszeitung" und das "Flensburger Tageblatt".

Keine Infos zu Umsatzzahlen und Kaufpreis

Der Verkauf sichere die Zukunft der medien holding:nord und die Fortführung aller Titel, hieß es in einer Mitteilung der NOZ-Mediengruppe. "In einer sich schnell wandelnden Medien- und Zeitungslandschaft haben wir mit NOZ Medien einen Käufer gefunden, der die Stärke des sh:z weiter ausbauen kann, und der sich im deutschen Zeitungsmarkt damit eine zukunftssichere Stellung verschafft", sagte Andreas Dethleffsen, Sprecher der Gesellschafter der mh:n-Gruppe. Weil es zwischen beiden Verbreitungsgebieten keine geografischen Überschneidungen gebe, würden die Verlags- und Druckstandorte weitergeführt. Über Umsatzzahlen und den Kaufpreis wurde von beiden Seiten Stillschweigen vereinbart.

Zeitungen der medien holding:nord

Schleswig-Holstein: Sylter Rundschau, Nordfriesland Tageblatt, Husumer Nachrichten, Insel Bote, Flensburger Tageblatt, Schleswiger Nachrichten, Schlei Bote, Eckernförder Zeitung, Landeszeitung, Holsteiner Courier, Norddeutsche Rundschau, Glückstädter Fortuna, Wilstersche Zeitung, Ostholsteiner Anzeiger, Stormarner Tageblatt, Elmshorner Nachrichten, Pinneberger Tageblatt, Wedel-Schulauer Tageblatt, Barmstedter Zeitung, Quickborner Tageblatt, Schenefelder Tageblatt

Mecklenburg-Vorpommern: Schweriner Volkszeitung, Der Prignitzer, Norddeutsche Neueste Nachrichten

NOZ: "Historischer Meilenstein"

"Neben dem Aufbau neuer Geschäftsfelder ist die Weiterentwicklung des Kerngeschäftes die zentrale Aufgabe, um die Zukunftsfähigkeit von NOZ Medien zu sichern" - so werden die beiden Geschäftsführer der NOZ, Christoph Niemöller und Laurence Mehl, in der Mitteilung zitiert. Sie sprachen von einem "historischen Meilenstein".

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" zählt zu den meistzitierten Tageszeitungen in Deutschland. Neben der "NOZ" und sieben Regionalausgaben hat das Osnabrücker Medienhaus unter anderem Anzeigenblätter, Apps und Special-Interest-Portale im Angebot. Anfang 2015 hatte NOZ Medien das "Delmenhorster Kreisblatt" mit einer Auflage von gut 15.000 Exemplaren übernommen.

"Verlust der regionalen Eigenverantwortung droht"

Auf die angestrebte Übernahme reagierte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) mit Skepsis und Sorge: "Damit droht der Verlust der regionalen Eigenverantwortung der Zeitungen. Eine große Pressevielfalt ist nicht zuletzt Voraussetzung für die Willensbildung in einer demokratischen Gesellschaft", ließen die Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mitteilen.

Wissenschaftler sieht auch Chancen

Bernd Blöbaum, Kommunikationswissenschaftler von der Universität Münster, sieht hingegen Chancen für das Verlagshaus: "Wenn die bisherigen Tageszeitungen und Anzeigenblätter mit ihrer regionalen Verankerung erhalten bleiben, halte ich das mit Blick auf ihre Zukunftssicherung für positiv." Die NOZ habe eine hohe Kompetenz im Regionaljournalismus erworben, die sie jetzt mit dem Wissen der anderen Häuser zusammenbringen könne.

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