Stand: 02.02.2016 16:52 Uhr

Muss 200 Jahre alte Eiche gefällt werden?

von Kora Blanken

200 Jahre hat eine Eiche auf dem Gelände der Hochschule Osnabrück im Ortsteil Haste mittlerweile auf dem Buckel. Doch es geht ihr nicht gut. Ein Blitzeinschlag im vergangenen Sommer hat sie schwer verletzt. Kurz nach dem Einschlag wurde sie direkt verarztet - mit einem überdimensionalen Druckverband aus weißer Folie. Doch nicht nur die besorgten Gärtner der Hochschule nehmen Anteil an ihrem Leiden. "Gute Besserung" steht in großen schwarzen Lettern auf der Folie, die den etwa 30 Meter hohen Baum umschlingt. Daneben hat jemand schwarze Herzchen gemalt. "Darüber habe ich mich echt gefreut", sagt Jörn Holtmann von der Hochschule Osnabrück. Der Gärtnermeister kann die Sorge um den Baum gut verstehen. Denn dem Patienten droht der Tod. "Und eine Eiche dieses Alters ist in der Stadt schon etwas Besonderes", sagt er.

Eine Hochschule mit Herz für eine Eiche

Wird die Wunde unter dem Verband verheilen?

Ob die Eiche sich von den Strapazen erholt, ist nicht sicher. Die Mitarbeiter befürchten, dass der Blitz die Zellen entlang der Wunde zerstört hat. Damit könnte der Baum sie nicht mehr schließen. Er wäre dann nicht mehr imstande, Nährstoffe in einem geschlossenen Organismus zu transportieren. Das wäre wohl sein Todesurteil. Demnächst werden Holtmann und seine Kollegen einen Blick unter den Druckverband werfen - mit der Hoffnung, dass Pflege und Genesungswünsche doch noch Wirkung zeigen und die Wunde sich geschlossen hat. Wenn nicht droht dem Baum ein weiteres Problem: Unter dem Verband könnte sich Feuchtigkeit angesammelt haben - das ideale Milieu für Pilze.

Riesige Wunde durch Blitz

Rückblick: Es war ein heftiger Blitzeinschlag, der den Baum im August 2015 trifft. Mitarbeiter, die an dem Morgen bereits im Haus waren, hätten den Einschlag gehört und sich sehr erschrocken, so Holtmann. Auch das Ausmaß der Verletzung zeigt, welche Kräfte an der 200 Jahre alten Eiche gewirkt haben müssen. Der Blitz hatte über die gesamte Höhe des Stammes eine mehrere Zentimeter breite Wunde in die Borke und in das darunter liegende Gewebe gerissen.

Ein überdimensionaler Druckverband

Die gärtnerischen Pflegekräfte entschieden sich für einen überdimensionalen Druckverband. Mit Hilfe von zwei Hebebühnen umwickelten vier Mitarbeiter den Baum mit etwa einem Kilometer weißer Folie. Zusätzlich brachten sie Spanngurte an. Die Verarztung habe zwei Tage gedauert, so Holtmann. Durch die Folie soll die Feuchtigkeit im Stamm gehalten werden, die der Baum zur Wundheilung braucht.