Stand: 23.02.2016 16:38 Uhr

Meyer: 2017 ist Schluss mit der Küken-Tötung

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Für männliche Legehybride ist in der industrialisierten Landwirtschaft kein Platz - sie legen keine Eier und setzen kaum Fleisch an.

Früher legte ein Huhn Eier und wurde zugleich gemästet, um es später zu schlachten. Heute gibt es Legehennen und Masthühner. Die einen legen Eier, die anderen sind darauf gezüchtet, in wenigen Wochen viel Fleisch anzusetzen. Für die männlichen Legehybride ist in der industrialisierten Landwirtschaft kein Platz. Sie legen weder Eier, noch setzen sie schnell genug Fleisch an. Daher ist es gängige Praxis, dass sie vergast und geschreddert werden und das massenhaft. Allein in Niedersachsen sind es jährlich 27 Millionen Tiere, die auf die Welt kommen und nur wenige Stunden später sterben. Dieser Praxis will Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) nun einen Riegel vorschieben. Eine bisher geltende Ausnahmeregelung soll beendet werden. "Mit der gesellschaftlich nicht akzeptierten Praxis, männliche Küken von Legehennen zu töten, wollen wir 2017 Schluss machen", sagte Meyer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe).

"Zweinutzungshuhn" legt Eier und wird gemästet

Niedersachsen geht mit der geplanten Regelung noch einen Schritt weiter als die Bundesregierung. Diese visiert zwar ebenfalls für 2017 den Ausstieg an. Doch will sie das Töten nicht direkt verbieten, sondern zunächst Alternativen erforschen. Wissenschaftler testen derzeit ein sogenanntes Zweinutzungshuhn, das sich sowohl für das Eierlegen als auch für die Mast eignet. Auch Maschinen, mit denen sich das Geschlecht bereits im Ei feststellen lässt, sind in der Entwicklung. Daher werde Niedersachsen jetzt ein endgültiges Ausstiegsdatum benennen, betonte der Minister. Er halte die Alternativen für ausgereift.

Küken landen als Futtermittel im Zoo

Tatsächlich ist das Töten von Wirbeltieren ohne Grund in Deutschland eigentlich verboten. Die geltende Regelung erlaubt bislang jedoch das Vergasen der Tiere, wenn sie im Anschluss in Gänze als Futtermittel etwa im Zoo weiterverwertet werden.

Mehrkosten von ein bis zwei Cent pro Ei

Nach dem Willen des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Meyer soll der Bund Brütereien bei der Anschaffung von Maschinen zur Geschlechtsbestimmung finanziell unterstützen. Meyer fordert auch den Einzelhandel auf, Landwirten die Mehrkosten erstatten. "Es darf jedenfalls nicht sein, dass Supermärkte Eier aus dem Ausland importieren, wo Küken weiterhin vergast oder geschreddert werden." Laut Meyer sind mit der Umstellung der Produktion Mehrkosten von ein bis zwei Cent pro Ei verbunden. "Wir brauchen ein breites Bündnis gegen das Küken-Töten", sagte Meyer.

Staatsanwaltschaft erstattet Anzeige gegen Brüterei

Im westfälischen Münster hatte die Staatsanwaltschaft Münster jüngst Strafanzeige gegen eine Brüterei wegen des Tötens von Küken erstattet. Die Tierschutzorganisation Peta sprach von einem "historischen Durchbruch". Es sei das erste Mal, dass es in einem solchen Fall zur Anklage komme. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte erläutert, seine Behörde strebe gegebenenfalls eine höchstrichterliche Rechtsprechung an. Es handele sich um ein bundesweites Problem.

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