Stand: 27.01.2016 20:53 Uhr

Mein erstes Auto: Der BMW 1802

von Jörg Holzapfel

Es ist heute alles andere als gemütlich in Bissendorf im Landkreis Osnabrück. Der Wind peitscht Regentropfen an die Scheiben und das Wasser verwandelt den Weg vor Mark Wennmachers Haus in eine Schlammlandschaft. Bei so einem Wetter würde kein normaler Mensch seinen chromblitzenden Oldtimer aus der Garage holen. Mark Wennmacher aber schon, denn: "Das ist ein Fahrzeug, kein Stehzeug", sagt er. Spricht's und dreht den Zündschlüssel. Brabbelnd startet der 164 PS starke Motor seines BMW 1802. Wie? Der geneigte BMW-02er-Fan wird sich jetzt wundern. Der Motor war doch eigentlich im Spitzenmodell BMW 2002 tii Alpina verbaut. Richtig, aber Wennmacher hat seinen ursprünglich 90 PS leistenden BMW umgerüstet, oder besser gesagt: hochgezüchtet. Natürlich zeitgemäß, denn das ist wichtig für den Erhalt des historischen H-Kennzeichens.

Kauf des BMW lag in den Genen

Der Wagen sieht mit seinen Leuchten, Stoßstangen und selbst mit der sonst aufgezogenen Alpina-Sommerbereifung wie ein 2002er aus und er ist - sozusagen - Wennmachers erstes Auto. "Ich hatte als Führerschein-Neuling mal für kurze Zeit einen schwarzen BMW 1502 Baujahr 1982", erinnert er sich. Aber der sei technisch "fies" gewesen. Er brach wegen eines kaputten Fahrwerks in Linkskurven gerne aus, wurde schließlich vom TÜV aus dem Verkehr gezogen und der Schrottpresse übergeben. Dann entdeckte Wennmacher 1994 im Anzeigenteil einer Oldtimerzeitung seinen Traumwagen: Original, 76.000 Kilometer, Baujahr 1973, erste Hand, optisch top und nur 3.100 D-Mark teuer. Zugreifen war keine Frage, sondern lag auf der Hand und war praktisch genetisch vorgeschrieben. Denn Wennmachers Vater hatte mehrere Jahre einen BMW 2002 tii Touring gefahren, seinerzeit einer der schnellsten Serienwagen.

"Das ist ein Fahrzeug und kein Stehzeug"

Sohn soll BMW erben

Wennmacher schätzt die unverwüstlichen Nehmerqualitäten seines BMW. Vieles kann der Wagen ab und er ist zuverlässig. Wenn trotzdem mal etwas kaputt gehe, sei die Ersatzteilversorgung klasse. Nur einmal sei der frisch restaurierte Wagen ziemlich ramponiert gewesen, erinnert sich der 48-jährige Bissendorfer noch mit Schrecken. Der Freund eines Nachbarn hatte den Wagen grundlos mit einem Vorschlaghammer zertrümmert. Scheiben, Stoßstangen und diverse Metallteile waren zerstört. Die Polizei wurde gerufen, der Schuldige geschnappt und der Wagen erneut auf Versicherungskosten repariert. Dass das Auto wieder auf der Piste ist, freut heute vor allem den fünfjährigen Sohn des BMW-Fans. Schließlich wird er damit immer vom Papa zum Judotraining gefahren - und er soll den Wagen später einmal erben.

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50 Jahre BMW 02er

Als BMW 1966 auf dem Genfer Autosalon den sportlichen Flitzer 1600-2 ("2" steht für Zweitürer) vorstellte, war der Erfolg für die Münchener Autobauer noch nicht absehbar. Denn die Landstraßen und Autobahnen wurden beherrscht vom VW Käfer, von Opel und teuren Mercedes-Modellen. Kompakte Sportler gab es so gut wie nicht und sie kamen, wenn überhaupt, aus Italien. Nur elf Jahre später und nach rund 800.000 verkauften Einheiten war klar: Ja, die 02er waren ein Erfolg und technisch auf der Höhe der Zeit. Sportlich prägte die Serie auch den Erfolg von BMW auf den Renn- und Rallye-Pisten. Der kleine Sportler war der Traum vieler Männer - er wurde gerne getunt, aufgemotzt und stolz vor der Disco zur Schau gestellt.

Der BMW 1802 in Zahlen

Motor: Reihen-Vierzylinder
Hubraum: 1.766 cm³
Leistung: bei Baubeginn 66 kW (90PS), später bis 170 PS
Antrieb: Hinterrad
Schaltung: Viergang
Gewicht: 970 kg
Verbrauch: 9,9 Liter Super
Neupreis 1973: 11.880 Mark
Bauzeit: 1966 - 1977

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