Stand: 19.07.2017 18:14 Uhr

Klein, selten: Überlebt der Echte Frauenspiegel?

Vor mehr als 20 Jahren hat eine Biologin während einer Fahrradtour durch Bad Rothenfelde (Landkreis Osnabrück) eine ganz besondere Pflanze entdeckt: den Echten Frauenspiegel, ein lila blühendes Ackerwildkraut, das vom Aussterben bedroht ist und auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten steht. In Niedersachsen wächst sie nur im Landkreis Osnabrück. Die Naturschutzstiftung des Landkreises sorgt mit der Hilfe eines Landwirts dafür, dass sie nicht ausstirbt. Doch das Naturschutzprojekt zum Erhalt des Echten Frauenspiegels steht auf der Kippe.

Zierlich und gefährdet: der Echte Frauenspiegel

"Kein Maisanbau, es darf nicht gespritzt werden"

"Auf diesem Feld ist die Besonderheit, dass hier der Echte Frauenspiegel gefunden wurde", erklärt Landwirt Uwe Stolpmann und zeigt auf sein Getreidefeld. Die kleine Pflanze, bei Experten als Legousia speculum veneris bekannt, hat eine Größe von 20 bis 30 Zentimeter. Auf dem Feld von Stolpmann wächst der Frauenspiegel seit vielen Jahren gut. Weil der Landwirt verzichtet: "Kein Maisanbau, es darf nicht gespritzt werden, keine chemische und mechanische Unkrautbehandlung, keine Jauche, keine Gülle. Hier darf nichts drauf gefahren werden."

Kleine Pflanze, große Bedeutung

"Doch die Pflanzenvielfalt zu erhalten lohnt sich", sagt Hartmut Escher vom Landkreis Osnabrück. Er vergleicht das Ökosystem mit einem Zahnrad: "Wenn plötzlich überall die Zahnkronen ausbrechen, dann läuft das Ding vielleicht noch eine Weile. Aber wenn das überhandnimmt und noch andere ausbrechen, dann bricht das ganze Ökosystem zusammen. Deshalb sind selbst solche kleinen Vorkommen für das Ökosystem von ganz elementarer Bedeutung."

Endet der Naturschutz bald?

Den Naturschutz findet auch Landwirt Stolpmann wichtig. Doch nach mehr als 20 Jahren möchte er aus dem Vertrag mit der Naturschutzstiftung aussteigen: "Ich würde es gerne weitermachen, aber ich brauche für meinen Betrieb eine Ausgleichsfläche, denn wenn man einen gewissen Viehbestand hat, muss man auch Fläche nachweisen können, wo man mit den Nährstoffen aus der Tierhaltung bleibt." Die finanziellen Ausfälle erstattet ihm zwar die Naturschutzstiftung des Landkreises. Dennoch fehle ihm die Fläche, um Futter für seine Tiere anzubauen.

Fläche zum Tausch gesucht

Der Landkreis sucht nun nach einer Fläche zum Tausch. "Die Verhandlungen laufen", heißt es. Doch ob das klappt, ist offen. Im Zweifel würde man den Vertrag auslaufen lassen. Mittlerweile wächst der Echte Frauenspiegel zwar auch auf einigen anderen Feldern rund um Osnabrück. Aber trotzdem ist es für die Naturschützer wichtig, dass die Ursprungsfläche in Bad Rothenfelde erhalten bleibt.

Dieses Thema im Programm:

Regional Osnabrück | 21.07.2017 | 17:00 Uhr