Stand: 12.10.2017 13:59 Uhr

JVA Meppen wappnet sich für Sicherungsverwahrte

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In die JVA Meppen sollen nach Angaben von Anstaltsleiter Per Zeller ältere und behinderte Sicherungsverwahrte kommen.

Straftäter, die nach der Haft noch immer eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen, kommen anschließend in Sicherungsverwahrung. Bislang gibt es dafür in Niedersachsen nur eine Einrichtung - die Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf bei Göttingen. Mit derzeit rund 40 Inhaftierten stößt sie jedoch an ihre Grenzen. Deshalb baut das Land Niedersachsen nun für rund zwei Millionen Euro auf dem Gefängnisgelände im Stadtteil Versen neue Unterkünfte für Sicherungsverwahrte.

Ein Leben fast wie in einer WG

In einem sanierten Altbau sollen zehn Straftäter in Apartments untergebracht werden. Ihre Türen werden tagsüber nicht abgeschlossen, sie können gemeinsam kochen: Hinter den Gefängnismauern "erwartet sie dort ein Leben fast wie in einer WG", sagt der Meppener Anstaltsleiter Per Zeller. Weil dort alles etwas anders läuft, als für die derzeit mehr als 370 Inhaftierten im Regelvollzug, ist die Abteilung mit Zäunen vom restlichen Gelände abgetrennt. "Die Räume sind größer, sie verdienen mehr Geld für ihre Arbeit, sie haben bessere Möglichkeiten einzukaufen und sie können sich selbst verpflegen", so Zeller weiter. Ein weiterer wesentlicher Unterschied sei zudem, dass Sicherungsverwahrte einmal pro Monat die Anstalt verlassen dürfen. "Das geschieht in der Regel, weil sie ja gefährlich sind, unter Aufsicht durch uns."

Sicherungsverwahrte besser untergebracht als Strafgefangene

Die Sicherungsverwahrung ist eine freiheitsentziehende Maßregelung, welche zum Schutz der Allgemeinheit und der Besserung eines Straftäters verhängt werden kann. Sie soll dem Straftäter die Perspektive zur Wiedererlangung der Freiheit bieten, so hatte es das Bundesverfassungsgericht verlangt und vom Gesetzgeber eine Reform gefordert, die seit dem 1. Juni 2013 in Kraft ist. Nach dem Urteil müssen Sicherungsverwahrte besser untergebracht sein als Strafgefangene. Die Sicherungsverwahrung für rückfallgefährdete Schwerverbrecher auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf bei Göttingen wurde im Mai 2013 eröffnet. Dort hat jeder Verwahrte eine 23 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung mit separatem Duschbad. Zum Vergleich: Gefängniszellen sind neun Quadratmeter groß.

13 neue Stellen für die neue Aufgabe

Um für diese Aufgabe gerüstet zu sein, stockt das Justizministerium das Personal um 13 Stellen auf. Nach Meppen kommen ältere und behinderte Sicherungsverwahrte. Sie hätten eine lange Zeit im Gefängnis hinter sich und müssten auf ein Leben außerhalb der Mauern vorbereitet werden. Deshalb würden auch Sozialpädagogen und Psychologen unter den neuen Mitarbeitern sein, so Zeller. "Es geht um viel Motivationsarbeit, die sehr mühsam ist. Weil diese Menschen, wenn sie hier angekommen sind, schon sehr viele Behandlungsversuche hinter sich gebracht haben."

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Die Vorbereitungen laufen

Der Umbau der JVA Meppen soll in einem Jahr abgeschlossen sein. In dieser Zeit tauscht sich das Meppener Personal mit den Kollegen in Rosdorf und dem Justizministerium aus. In der JVA in Südniedersachsen werden seit 2013 Sicherungsverwahrte untergebracht. Für die Meppener Bediensteten ist die deren Betreuung ein neues Feld. Laut Zeller wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich mit Fragen um die Gestaltung des Vollzugs beschäftigt. "Insofern bin ich sehr optimistisch, dass wir das gut hinbekommen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.10.2017 | 09:30 Uhr

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