Stand: 10.03.2016 09:55 Uhr

Haftbefehl nach Geldautomaten-Sprengung in Meppen

Nach der Sprengung eines Geldautomaten in Meppen hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück Haftbefehl gegen zwei Männer beantragt. Ihnen wird das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit gewerbsmäßigen Diebstahl in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Der dritte Täter war am Mittwochmorgen ums Leben gekommen, als der Fluchtwagen gegen einen Baum prallte. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Osnabrück handelt es sich bei den Männern vermutlich um Niederländer, die zu der rund 250-köpfigen Audi-Bande gehören sollen.

Flucht endet mit Unfall

Es war bereits das 18. Mal, dass Räuber im Emsland und der Grafschaft Bentheim eine derartige Tat begingen. Wie die Polizei mitteilte, sprengten die drei Männer gegen 4.20 Uhr den Geldautomaten einer Sparkassen-Filiale und rasten dann in einem Audi aus der Innenstadt Richtung Niederlande. Nach zwei Kilometern gerieten sie mit stark überhöhter Geschwindigkeit in einer Kurve auf einer Meppener Ausfallstraße ins Schleudern, kollidierten mit einem Lkw und prallten dann frontal gegen einen Baum. Der Beifahrer starb an der Unfallstelle. Der eingeklemmte Fahrer musste von der Feuerwehr aus dem Wrack herausgeschnitten werden. Er erlitt schwere Verletzungen.

Dritter Insasse versucht mit Taxi zu fliehen

Der dritte Täter, der auf der Rückbank gesessen hatte, konnte zunächst fliehen. Er wurde festgenommen, als er versuchte, sich ein Taxi zu nehmen. Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" soll der Fahrer beim Anblick des blutverschmierten Mannes misstrauisch geworden sein und die Polizei alarmiert haben. Im Fluchtauto fand die Polizei Einbruchswerkzeuge sowie ein Schweißgerät mit Gasflaschen und eine selbstgebastelte Fernzündeanlage. Ihre Beute hatten die Täter in mehreren handelsüblichen Müllbeuteln versteckt, die prall mit Geldscheinen gefüllt waren. Die Polizei stellte das Geld sicher.

Ein Täter stirbt auf der Flucht

Immer das gleiche Muster

Auch in Nordrhein-Westfalen gab es im Grenzgebiet zu den Niederlanden bereits zahlreiche Sprengungen von Bankautomaten. Laut Landeskriminalamt (LKA) gingen die Täter auch in Meppen nach dem bekannten Muster vor: Sie sprengten den Geldautomaten mit einem Gasgemisch in die Luft, griffen sich die Beute und flüchteten in einer dunklen Limousine. Die Sparkasse wurde schwer verwüstet: der Geldautomat total zerstört, herausgerissene Fenster, die Splitter weit vor der Filiale verteilt.

Täter weichen nach Deutschland aus

Bereits im Dezember hat das LKA eine 15-köpfige Sonderkommission eingerichtet. Die Ermittler gehen von insgesamt drei Tätergruppen aus: eine aus den Niederlanden, eine aus Polen und eine dritte Gruppe von Nachahmern. Die weitaus größte Gruppe soll dabei aus den Niederlanden kommen. Die Banden würden in wechselnden Besetzungen zuschlagen und hätten keine erkennbare hierarchische Führung. Da die Geldautomaten in den Benelux-Staaten mittlerweile so gesichert sind, dass man bei einer Sprengung nicht mehr an die Scheine kommt, würden die Täter nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ausweichen.

Serie wird nicht abreißen

Die Tat in Meppen war bereits der sechste Überfall auf einen Geldautomaten in Niedersachsen in diesem Jahr. Seit 2015 dauert die Serie in der Region an. Ein Ende sei mit der Festnahme von zwei mutmaßlichen Tätern aber noch längst nicht in Sicht. "Wir gehen von einer sehr großen Tätergruppierung aus", sagte LKA-Sprecherin Stephanie Weiß. Bereits im Dezember waren drei Männer festgenommen worden, danach seien die Sprengungen aber trotzdem weiter gegangen.

Karte: Serie: Überfälle auf Geldautomaten in Niedersachsen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 09.03.2016 | 09:30 Uhr