Stand: 19.05.2017 10:27 Uhr

Greenpeace findet resistente Keime in Gülle

von Cathrine Lejeune

In sieben Bundesländern hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace Gülleproben aus Schweineställen entnommen und auf die multiresistente Keime MRSA, ESBL und 3-MRGN sowie auf Antibiotika untersucht: in Niedersachsen, Thüringen, Brandenburg, Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Von 19 getesteten Gülleproben stammen neun von Höfen in Niedersachsen. Die Höfe seien zufällig ausgewählt worden, sagt Greenpeace. In der Mehrzahl dieser neun Proben wurden nach Angaben der Umweltschützer multiresistente Keime beziehungsweise Rückstände von Antibiotika nachgewiesen.

Zwei Petrischalen

Multiresistente Keime: Antibiotika wirkungslos

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Viele Antibiotika wirken nicht mehr, weil Keime zunehmend Resistenzen entwickeln. Hunderttausende Menschen sterben jedes Jahr an resistenten Erregern.

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Funde in zahlreichen Proben

Insgesamt wurden in 13 der 19 Proben aus den sieben Bundesländern multiresistente Keime nachgewiesen, vor allem Darmbakterien. In sechs Proben fanden sich Bakterien (3-MRGN), die gegen drei Antibiotikagruppen resistent sind. Zwei der sechs belasteten Proben stammen aus Niedersachsen. Ein niedersächsischer Hof weist sogar alle drei multiresistenten Keime (MRSA, MRGN, ESBL) auf. 15 Gülleproben der gesamten 19 enthielten Rückstände von Antibiotika. Bei den niedersächsischen Höfen trifft das auf sieben von den neun getesteten zu.

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Durch die Gülle in die Umwelt

In deutschen Ställen werden große Mengen Antibiotika eingesetzt. "Bis zu 90 Prozent der verabreichten Antibiotika werden von den Tieren wieder ausgeschieden", sagt Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut in Braunschweig. Wird mit dieser Gülle gedüngt, geraten Antibiotika und resistente Keime in die Umwelt. Pflanzen wie Lauch und Weißkohl können diese aufnehmen. Allerdings ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung bislang unklar, welchen Anteil die Landwirtschaft an den Problemen mit antibiotikaresistenten Keimen beim Menschen hat. Fest steht lediglich, dass die gefährlichen Keime von Menschen auf Tiere und umgekehrt übertragen werden können. Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien führten in der Europäischen Union jedes Jahr zu etwa 25.000 Todesfällen.

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Die Ergebnisse des Gülletests von Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Ergebnisse ihres Gülletests in einer Übersicht zusammengestellt. Hier finden Sie die Daten im Detail. Download (208 KB)

Studie nicht repräsentativ, aber eine Warnung

Auch wenn die Studie von Greenpeace nicht repräsentativ ist und nur aus Stichproben besteht, bleibt der Verdacht, dass Tierhaltungsbetriebe die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen fördern. Greenpeace fordert deshalb, den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht zu senken. "Es ist wahrscheinlich, dass der großflächige Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion zu einer erhöhten Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien führt", sagt auch Smalla. Denn auch Keime, die nur gegen eine bestimmte Antibiotika-Art resistent sind, könnten zur Entstehung multiresistenter Keime beitragen und letztlich zum Gesundheitsrisiko für Menschen werden, warnt die Bundesbehörde für Risikobewertung. Die Folge: Auch für den Menschen könnten wichtige Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Das Thema Antibiotika-Resistenzen steht auch am Freitag beim Treffen der G20-Gesundheitsminister auf der Agenda.


19.05.2017 10:22 Uhr

Hinweis der Redaktion: Eine vorherige Version dieses Artikels enthielt einige inhaltliche Unkorrektheiten sowie Tippfehler. Mit dieser aktuellen Fassung des Textes haben wir diese inzwischen korrigiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.05.2017 | 08:00 Uhr

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