Stand: 09.09.2015 16:26 Uhr

Genossenschaft plant Häuser für Flüchtlinge

In Sögel leben die Menschen offenbar gerne: Denn Wohnraum ist in der Gemeinde im Emsland extrem knapp. Und da außerdem immer mehr Flüchtlinge ankommen, sind gute Ideen und Kreativität gefragt. Um den Menschen in Not ein Zuhause zu bieten, geht Sögel nun einen ungewöhnlichen Weg. Am Mittwoch wurde in der Samtgemeinde eine Wohnungsbaugenossenschaft gegründet. Bürger können dort Mitglied werden und so den Bau von Häusern speziell für Flüchtlinge und Asylbewerber unterstützen.

Mitgliedschaft ab 100 Euro

"Willkommen in Sögel" - so lautet der Name der Genossenschaft. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kirchen haben den Gründungsvertrag unterschrieben. Als nächstes werden die Bürger mit ins Boot geholt. Einer von ihnen ist Franz Klawitter. Er engagiert sich in der katholischen Erwachsenenbildung und ist nun im Vorstand der neuen Genossenschaft, weil er die Idee der Bürgerbeteiligung gut fand: "Die Bevölkerung kann dann sagen: 'Das sind unsere Flüchtlinge, die wohnen in unserem Haus. Wir nehmen sie auf. Sie gehören einfach zu uns'". Mitglied kann werden, wer mit mindestens 100 Euro Startkapital einsteigt. Nach Angaben des Samtgemeindechefs Günter Wigbers (CDU) haben engagierte Bürger bereits jetzt einen sechsstelligen Betrag für die Wohnungsbaugenossenschaft angeboten. Auch die Samtgemeinde hat vor, Anteile zu kaufen. Sie stellt zudem mindestens vier Baugrundstücke zur Verfügung - allesamt in der 7.300-Einwohner-Gemeinde Sögel. Wie teuer die Häuser werden, ist noch nicht klar. Es gibt aber schon erste Entwürfe.

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Große Hilfsbereitschaft

Mit dem Geld sollen Mehrfamilienhäuser für Flüchtlinge und Menschen in Not gebaut werden. "Wir wollen keine Zelte, wir wollen keine Container. Wir wollen Wohnungen haben, in die man auch selber einziehen würde. Bei ist das anders als vielleicht woanders: Wir nehmen die Dinge in die Hand. Wir wollen Heime bauen, in denen die Flüchtlinge sich wohlfühlen", sagt Sögels Bürgermeisterin Irmgard Welling (CDU). Auch sie ist jetzt im Vorstand der Genossenschaft. In Sögel brauchen nicht nur 150 Flüchtlinge einen Platz zum Wohnen, sondern auch rund 900 Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa, die beim Schlachthof Weidemark beschäftigt sind. 25 Asylbewerber aus dem Sudan sind im ehemaligen Rathaus der Gemeinde untergekommen. Auch hier hat sich bereits gezeigt, dass die Hilfsbereitschaft der Sögeler groß ist: Sie haben unter anderem einen Deutschkurs für die Sudanesen organisiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 09.09.2015 | 17:00 Uhr