Stand: 03.03.2017 08:33 Uhr

"Face Check" soll Spielsüchtige stoppen

von Britta Nareyka

Spielsucht bleibt oft im Verborgenen. Wer süchtig danach ist, Geld in Automaten zu stecken und auf einen Gewinn zu hoffen, lebt seine Sucht in Spielhallen meistens völlig anonym aus. Manche setzen dabei ihre ganze Existenz aufs Spiel. Der Glücksspiel-Großunternehmer Gauselmann will nun gefährdete Spieler schützen - mithilfe von biometrischen Gesichtskontrollen. Auch die sechs Filialen in Osnabrück sollen mit dieser Technik ausgestattet werden.

Betreiber wollen gegen schlechtes Image angehen

Die Technik ist simpel: Am Eingang scannt eine kleine Kamera die Besucher. Die Gesichter werden dann mit in einer Datenbank abgeglichen. Hat sich ein Spieler freiwillig sperren lassen, bleibt der Zugang zur Spielhalle geschlossen. "Face Check" - also Gesichtskontrolle - nennt sich dieses neue System, das Süchtigen helfen soll, der Versuchung zu widerstehen. Wie ausgerechnet ein Glücksspielunternehmer auf eine solche Idee kommt, erklärt Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister: Den Spielhallenbetreibern werde nachgesagt, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste alle Gäste anziehen wollten. "Und da sagen wir: 'Nein!' Wir möchten die spielbegeisterten Gäste haben, aber nicht diejenigen, die damit nicht umgehen können."

Datenschützer kritisieren Datenerfassung

Betroffene Spielsüchtige, wie der 37-jährige Ali, der seinen vollständigen Namen nicht preisgeben möchte, zweifeln am Motiv des Betreibers. "Wenn ich zocken will, werde ich zocken. Und da hält mich 'Face Check' nicht auf." Er hält es für Augenwischerei, dass die Unternehmer die Spieler schützen wollen. "Aber ich habe das in 20 Jahren nicht erlebt", sagt Ali. Auch Datenschützer sehen das Vorhaben kritisch. "Biometrische Daten sind sehr sensibel und jeder, der jetzt in die Spielhalle gehen möchte, muss sich filmen und seine biometrischen Daten erfassen lassen", sagt Mattias Fischer, Sprecher der Landesdatenschutzbeauftragten in Niedersachsen. "Das ist sehr problematisch, weil wir auch keinen Mehrwert darin sehen."

Trotzdem ist das "Face Check"-System bereits in den ersten Bundesländern im Einsatz. In den kommenden Monaten sollen auch die Filialen in Niedersachsen folgen - darunter auch die Standorte in Osnabrück.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 02.03.2017 | 19:30 Uhr

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