Stand: 24.08.2017 15:16 Uhr

Das "A" - Ein Buchstabe macht Behörden-Karriere

Nachnamen mit "A" sind häufiger als andere - vor allem in Ausländerbehörden. (Themenbild)

Wer in einer Ausländerbehörde arbeitet, liest täglich viele fremde Namen. Doch ganz gleich, aus welchem Land und Grund Menschen in eine solche Behörde irgendwo in Niedersachsen kommen - viele von ihnen haben etwas gemeinsam. Und zwar einen Buchstaben: das "A". In Osnabrück hat man vor einigen Monaten festgestellt: Es gibt immer mehr Menschen, deren Nachname mit dem ersten Buchstaben des Alphabets beginnt. Das habe damit zu tun, dass in den vergangenen Jahren viele arabischstämmige Flüchtlinge in die Region gekommen sind, sagt Osnabrücks Stadtsprecher Simon Vonstein. Und deren Name beginne eben oft mit "A".

Mitarbeiter mit dem Buchstaben überlastet

Bis vor Kurzem hatte sich in Osnabrück nur ein Mitarbeiter mit den "A"-Nachnamen beschäftigt. Doch die Zahl der anerkannten Flüchtlinge stieg immer mehr an. Diese hatten oft monatelang beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auf die Bearbeitung ihrer Anträge gewartet. Nach einer positiven Anerkennung mussten sie nun in die Ausländerbehörde, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Und prompt war der Mann mit dem "A" überlastet. Die Stadt reagierte, wie Sprecher Vonstein sagt: "Wir haben für den Buchstaben 'A' das Personal verstärkt. Inzwischen kümmern sich bei uns vier Sachbearbeiter ausschließlich darum." Auch in den Landkreisen Osnabrück und Emsland heißt es, man habe in den Ausländerämtern nachjustiert. Da auch dort viele Zuwanderer aus Syrien oder dem Irak leben, bearbeitet etwa im Emsland ein Mitarbeiter jetzt ausschließlich das "A". Die anderen habe er abgegeben.

Selbst vier Sachbearbeiter reichen nicht aus

Dass nicht nur Städte das "A"-Phänomen kennen, belegt ein Blick in den Landkreis Osnabrück: Dort wird ständig die Arbeitsbelastung der einzelnen Sachbearbeiter geprüft. Wenn nötig, wird umverteilt - und zwar im Zweifelsfall auch auf entsprechend weniger gebräuchliche Buchstaben. Dass es noch lange nicht vorbei ist mit der Karriere des "A", beweist auch die Ankündigung des Osnabrücker Stadtsprechers: "Es ist geplant, noch weitere Sachbearbeiter für den Buchstaben "A" einzuteilen", sagt Vonstein. "Momentan gibt es einige unbesetzte Stellen, aber sobald wieder genügend Personal vorhanden ist, werden sich noch mehr Sachbearbeiter um den Buchstaben kümmern können."

In Hannover, Braunschweig und Göttingen doppelt besetzt

Auch in Hannover kommt der Buchstabe häufig vor, allerdings mit weniger dramatischer Auffälligkeit: Immerhin zwei Sachbearbeiter sind in der dortigen Einbürgerungsbehörde für das "A" zuständig. Auch das "B", das "D", das "I", das "J" und das "S" werden von zwei Mitarbeitern bearbeitet - das "K" sogar von drei. Im Braunschweiger Sachgebiet für Ausländerangelegenheiten gibt es nur zwei andere Buchstaben, die zwei Personen erfordern: das "R" und das "S". Und in Göttingen ist es neben dem "A" gar nur das "S", dessen Personenzahl größer ist, als ein einzelner Mitarbeiter es bewältigen könnte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 24.08.2017 | 17:00 Uhr