Stand: 13.06.2017 12:12 Uhr

Bauernvertreter kritisieren Trinkwasser-Studie

Das Umweltbundesamt warnt vor steigenden Trinkwasserpreisen in Deutschland - NDR.de hat darüber berichtet. Als Verursacher des Problems nennt die Behörde in einer Studie die Landwirte, die ihre Felder zu stark düngen. Dadurch komme Nitrat ins Trinkwasser, teure Reinigungstechnik werde notwendig. Kritik an der Studie kommt nun vom Deutschen Bauernverband. Er sieht die Landwirte zu Unrecht an den Pranger gestellt. Auch das Niedersächsische Landvolk warnt vor überstürzten Reaktionen.

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Landvolk: Düngeverordnung erst einmal wirken lassen

Die Warnung vor stark steigenden Preisen wegen hoher Nitratwerte "fällt in die Kategorie Panikmache und verunsichert die Verbraucher ungerechtfertigt", sagte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Bauernverbands. Es könne keine Rede davon sein, dass sich die Wasserqualität in Deutschland generell verschlechtere. Krüsken verweist zudem auf die neue Düngeverordnung, die gerade in Kraft getreten ist. Dadurch werde künftig deutlich weniger Nitrat ins Grundwasser gelangen. Ähnlich äußerte sich Thomas Nordhus vom Landvolk in Vechta: Bevor jetzt neue Gesetze in Erwägung gezogen würden, müsse man erst einmal abwarten, wie sich die noch ganz junge Verordnung auswirkt.

Hohe Nitratwerte vor allem im Nordwesten

In Niedersachsen sind Gebiete in den Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg besonders stark mit Nitrat belastet. So wird laut Gunnar Meister vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband im Landkreis Oldenburg der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter an rund der Hälfte der Messstellen übertroffen. Erhöhte Werte werden unter anderem auch in der Grafschaft Bentheim und im Landkreis Diepholz gemessen.

Kommunikation und Zusammenarbeit wirken offenbar

Besser sieht es da aus, wo Landwirte und Wasserversorger beim Bewirtschaften der Flächen kooperieren. Zum Beispiel im Landkreis Osnabrück: In den vergangenen 25 Jahren habe sich ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt, sagte Klaus Jordan von den Stadtwerken Osnabrück. Man setze auf Prävention, damit der Boden gar nicht erst so belastet werde, dass man ihn reinigen muss. Auch im Wasserschutzgebiet Holdorf (Landkreis Vechta) zum Beispiel scheint die Zusammenarbeit zu funktionieren. Dort sinke die Nitratbelastung, nicht zuletzt wegen der Kooperation zwischen Bauern und Wasserversorger. Oft reiche es aus, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, so Thomas Nordhus vom Landvolk. In Holdorf werde zum Beispiel häufig die Wasserqualität gemessen, damit der Landwirt die Düngemenge darauf abstimmen kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 13.06.2017 | 17:00 Uhr