Stand: 31.03.2017 14:27 Uhr

Archäologen bergen in Kalkriese 200 Silbermünzen

Eigentlich waren die Experten in Kalkriese (Landkreis Osnabrück) auf der Suche nach Spuren von Kampfhandlungen - nach Bolzengeschossen oder Schwertresten. Aber dann meldeten die Metallsuchgeräte: Silber. Nur zehn Zentimeter tief lag das erste Fundstück: eine gut erhaltene Augustusmünze. Nach dem Fund von acht römischen Goldmünzen im vergangenen Jahr eine weitere Sensation: der bislang größte Fund in der Grabungsstätte. In den vergangenen Tagen haben die Archäologen mehr als 200 Silbermünzen aus der Erde geholt.

Größter Fund: 200 Silbermünzen entdeckt

Münzen werden nun restauriert

Bei den Münzen handele es sich um Denare der späten Republik und der früh- und mittelaugusteischen Zeit, so die Experten. Sie seien noch unbearbeitet und unrestauriert, oft hafte noch Erde an ihnen. Viele Münzbilder seien schwer zu erkennen, andere dagegen äußerst gut erhalten. "Erst nach der Restaurierung können wir eine profunde Bestimmung der Funde vornehmen und die Münzen besser einordnen. Vielleicht sind Inschriften oder Stempel erkennbar. Es bleibt also spannend", sagte der Archäologe und örtliche Grabungsleiter Marc Rappe.

Münzen sollen ausgestellt werden

Die neu gefundenen Münzen lagen konzentriert in einem Umfeld. Es sei daher davon auszugehen, dass sie zur gleichen Zeit in den Boden gelangten. Eine Möglichkeit sei, dass das Geld zu einer römischen Truppenkasse gehörte. Die bisher gefundenen 200 Münzen wiegen fast ein Kilo und entsprechen nach Aussagen der Experten etwa dem damaligen Jahresgehalt eines Legionärs. "Nach dem Fund der Goldmünzen im vergangenen Jahr zeigt sich einmal mehr die Bedeutung des Ortes. Hier hat ohne Zweifel ein großes Ereignis stattgefunden", sagte Joseph Rottmann, der Geschäftsführer des Museums und Parks Kalkriese. Neue Funde würden neue Fragen aufwerfen. Ende des Jahres will das Museum die Münzen ausstellen.

Marschlager oder Schlachtfeld?

Die Geldstücke waren bei Erkundungsarbeiten entdeckt worden. Die Arbeiten sollen klären, ob sich in Kalkriese nicht doch ein römisches Marschlager befunden hat. Bislang deuten die Spuren nach Meinung vieler Wissenschaftler auf ein riesiges antikes Schlachtfeld hin - möglicherweise der Ort der Varusschlacht zwischen Römern und Germanen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.03.2017 | 16:00 Uhr

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