Stand: 14.09.2015 11:23 Uhr

"Aktion Arschloch": Ärzte-Song stürmt Charts

Geschafft! Das Lied "Schrei nach Liebe" der Band Die Ärzte hat Platz eins der deutschen Charts erobert - der "Aktion Arschloch" sei Dank. Deren Initiator, Musiklehrer Gerhard Torges aus Georgsmarienhütte, hatte auf der Homepage der von ihm ins Leben gerufenen Initiative gegen Fremdenfeinlichkeit zum Kauf des Songs aufgerufen. Mit Erfolg: Das Lied liege uneinholbar an der Spitze, teilte das Marktforschungsinstitut GfK Entertainment, das die Hitliste ermittelt, mit. Zunächst war "Schrei nach Liebe" von null auf Platz zwölf geschossen, jetzt ist das Lied 22 Jahre nach seiner Veröffentlichung erstmals an der Spitze der Top 100. "Eine solche Aktion mit diesem Erfolg ist einmalig in der deutschen Chartgeschichte", sagte GfK-Geschäftsführer Mathias Giloth.

"Ihr solltet den Song weiter kaufen"

Initiator Torges und seine Mitstreiter sind überwältigt von diesem Erfolg. "Es wäre schön, wenn der Song seinen Platz in den Charts noch eine Weile verteidigen kann", ist auf der Homepage zu lesen. "Und da bis auf Weiteres alle Einnahmen an Pro Asyl gehen, solltet Ihr alle den Song weiter kaufen." Außerdem überlegen die Initiatoren, ob sie die Reichweite der Aktion zukünftig sinnvoll im Kampf gegen Rechts und für Toleranz nutzen können.

Ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit

Hintergrund der Aktion: Initiator Torges wollte angesichts der rechtsradikalen Übergriffe nicht mehr tatenlos zusehen - und ein Zeichen setzen "gegen die in Deutschland grassierende Fremdenfeindlichkeit", wie er auf seiner Homepage schrieb. "Es gab letzter Zeit einfach wahnsinnig viele Berichte über Ausschreitungen gegen Ausländer, gegen Asylheime, Proteste gegen Flüchtlinge", sagt Gerhard Torges. "Ich fand es einfach nur zum Kotzen." Also ersinnt Torges einen gewaltfreien Protest mittels Musik: Auf der Homepage von "Aktion Arschloch" ruft der 46-Jährige zum Kauf des Songs auf, eine Anti-Nazi-Hymne, die 1993 von den Ärzten geschrieben wurde. Damals erreichte das Lied immerhin Platz neun der deutschen Charts.

Erlös geht an Pro Asyl

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Die Ärzte spenden den Erlös an Pro Asyl. (Archivbild)

Auch die Band selbst hat sich zu Wort gemeldet. "Die Ärzte finden es gut und wichtig, dass im Radio Stellung bezogen wird. Die Aktion wäre auch mit jedem anderen Anti-Nazi-Song cool. Wenn es unser Lied sein soll, unterstützen wir das aber natürlich gern. [..] Wir wünschen allen Nazis und ihren Sympathisanten schlechte Unterhaltung." Den Erlös aus den Single-Verkäufen wolle man an Pro Asyl spenden. Auch Verkäufer wie Amazon und Universal Publishing verzichten zugunsten der Flüchtlingsorganisation auf die Einnahmen.

Erfolg dank Social Media

Auf vielen Radiosendern läuft "Schrei nach Liebe" dieser Tage rauf und runter, manche Hörfunkwellen spielen das Lied gleich mehrmals hintereinander, wie zahlreiche Twitter-User euphorisch kommentieren. Es sind vor allem die Netzwerke, die der "Aktion Arschloch" zu ihrem Erfolg verhelfen: Der Facebook-Auftritt der Initiative hat inzwischen rund 128.000 Likes, der Hashtag #SchreinachLiebe kletterte in den Deutschen Twitter-Trends zeitweise unter die Top Ten. Prominente Befürworter gibt es obendrauf:

Hintergrund war rechtsradikale Anschlags-Serie

Geschrieben hatten die Ärzte den Song nach einer Serie fremdenfeindlicher Attacken zu Anfang der 1990-er Jahre in Deutschland, die mit wiederholten rechtsradikalen Übergriffen auf Gastarbeiter und Flüchtlinge im sächsischen Hoyerswerda begannen und in Mordanschlägen etwa in Solingen und Mölln kulminierten. 2015, auf dem bisherigen Höhepunkt der Flüchtlingskrise, kommt es inzwischen fast täglich zu Angriffen auf Flüchtlings-Unterkünfte. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits 202 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Zum Vergleich: im gesamten Jahr 2014 gab es dem Ministerium zufolge 150. "Die Zustände jetzt sind erschreckend ähnlich", so Torges. Der Ärzte-Song passe daher allzu gut als Kommentar der Gegenwart. Auch nach 22 Jahren.

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Die Ärzte "Schrei nach Liebe"

N-JOY

Mit diesem Song haben Die Ärzte schon 1993 ein Statemnt gegen Neonazis und Rassismus in Deutschland gesetzt. "Schrei nach Liebe" ist heute noch genauso aktuell wie vor zehn Jahren. extern