Stand: 07.04.2017 12:26 Uhr

Die Fußball-Halbzeit dauert 57 Minuten - oder?

In Ostfriesland ticken die Uhren ein bisschen anders. Manchmal auch ein bisschen langsamer. Kein Ding eigentlich, was den Gemütlichkeitsfaktor angeht. Bei ernsten Angelegenheiten aber wird's schwierig mit der dehnbaren Zeit. Beim Fußball etwa. Auch für Ostfriesen. Ganze 57 Minuten um den Ball kämpfen, bis der Schiri endlich zur Halbzeit pfeift? Da hört der Spaß offenbar auch für das tiefenentspannte Nordlicht auf: "Ich dachte, der will uns veräppeln", so Fußball-Obmann Detlef Brinkmann gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Doch von Anfang an: Es ist Spieltag in der Ostfriesenklasse B, die Spieler der Mannschaften Collinghorst/Rajen II und Frisia Loga II stehen auf dem Platz.

Standpauke für Schiedsrichter

Für das Verständnis alles Weiteren gut zu wissen: Collinghorst zittert angesichts des drohenden Abstiegs. Und spielt, und spielt und spielt. Frisia hält kräftig dagegen. Doch Collinghorsts Frank Knoelke gelingt in der 18. Minute das 1:0. Ein Hoffnungsschimmer für den abstiegsbedrohten Club. Gelingt es, den Vorsprung zunächst in die Halbzeit zu retten? Der Pausenpfiff jedenfalls lässt lange auf sich warten. Mehrere Bitten, eine Trinkpause einlegen zu dürfen, ignoriert der Schiedsrichter den späteren Angaben zufolge. Und die Würstchen auf dem Grill, die seien schon kohlrabenschwarz gewesen, so Obmann Brinkmann später. Die erste Halbzeit will einfach kein Ende nehmen. Als der erlösende Pfiff in der 58. Minute endlich kommt, müssen die Ostfriesen ihrem Ärger über den Unparteiischen erst mal Luft verschaffen - und nehmen sich den Mann mit der Pfeife zur Brust. Verbal, versteht sich.

"Das mache ich immer so"

Der ist sich offenbar keiner Schuld bewusst. "Das mache ich immer so", soll er zu Schiedsrichter-Chef Helmut Venekamp gesagt haben. Der Ball sei oft auf einen nahe gelegenen Acker geflogen, ziemlich weit weg, und habe erst wiedergeholt werden müssen, erklärte der Kampfrichter sein Vorgehen. Ähnlich wie im Basketball habe er dabei jedes Mal die Zeit gestoppt. Und sie artig auf die Halbzeit draufgeschlagen.

Tor in der 52. Minute

So eigenwillig diese Regelauslegung, so ärgerlich für die Collinghorster: Frisia Loga gelingt nämlich in der 52. Minute tatsächlich noch das Ausgleichstor zu schießen. In der 52. Minute der ersten Halbzeit versteht sich. Ein schicksalhaftes Tor im Abstiegskampf? In der zweiten Halbzeit jedenfalls bekommen die erschöpften Collinghorster keinen Zugriff mehr auf das Spiel. Mit zwei Toren von Wilko Bartels entscheidet Loga die Partie für sich und Collinghorst/Rajen II steht nach dem 20. Spieltag mit nur zehn Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz der Ostsfrieslandklasse B Staffel 3.

"Immerhin kein Ostfriese"

Immerhin: Den 37-jährigen Mann mit der Uhr erwartet nun auch ein "Nachspiel". Ganz genau beobachtet werden soll er beim Spiel am kommenden Wochenende. Trost für Schiedsrichter-Chef Venekamp: Der Schiedsrichter sei kein Ostfriese, sondern ein "Zugereister aus der Region Hannover".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 07.04.2017 | 17:00 Uhr

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