Stand: 13.12.2015 11:26 Uhr

Zerstörte Friesenbrücke ist auch eine Chance

Auf den ersten Blick ist die Kollision des 100 Meter langen Frachtschiffes "Emsmoon" mit der Friesenbrücke bei Weener ein großes Desaster: Die längste Klappbrücke Deutschlands wurde entzwei gerissen, Teile des historischen Bauwerks wurden komplett zerstört, die gesamte Brücke wurde sogar um einige Meter verschoben. Auf den zweiten Blick birgt das Unglück eine Chance: Eine neue Friesenbrücke könnte die Zugverbindung zwischen Deutschland und den Niederlanden wesentlich verbessern. Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) fordert, aus der Not eine Tugend zu machen und die Brücke mit einem zweiten Gleis sowie elektrifiziert und zukunftsfähig wieder aufzubauen.

Neue Friesenbrücke - Besserer Bahnverkehr?

Niederländer sind am Ausbau sehr interessiert

Auch der SPD-Europaabgeordnete Matthias Groote will gemeinsam mit ostfriesisichen Parteikollegen erreichen, dass das Unglück an der Brücke jetzt in einen großen Wurf umgemünzt wird. Ebenso setzen sich Politiker aus der Provinz Groningen für den Ausbau der Bahnstrecke ein. Bereits vor dem Unglück bekundeten die niederländischen Nachbarn großes Interesse an einem Ausbau der Bahnstrecke von Groningen nach Leer. Sogar eine Intercity-Verbindung zwischen Amsterdam und Hamburg über die Friesenbrücke hätten sie gewollt. Für einen doppelgleisigen und elektrifizierten Ausbau stellten die Niederländer mehr als 100 Millionen Euro in Aussicht - auch auf deutscher Seite. Doch das Interesse diesseits der Grenze war gering.

Es dauert Jahre bis zum Wiederaufbau

Nach dem Schiffsunglück sieht das nun anders aus. Allerdings rechnet die Deutsche Bahn mit einem Zeitraum von mehreren Jahren, bis die neue Brücke betriebsbereit ist. Erst einmal muss die Polizei die Schuld an der Kollision klären, dann müssen die Versicherungen den Fall prüfen und schließlich muss die neue Brücke geplant werden. Bis dahin pendeln nun erst einmal Busse über die Grenze. Seit Freitag hat die Bahn zudem Schnellbusse eingesetzt, damit die Niederländer ohne allzu große Umstände zu den beliebten deutschen Weihnachtsmärkten gelangen.

Künftig bessere Passage für Kreuzfahrtschiffen

Was die neue deutsch-niederländische Zusammenarbeit beim Ausbau der Bahnstrecke auch ergeben wird - klar scheint auf jeden Fall, dass die Friesenbrücke nicht so wieder aufgebaut wird, wie sie zuletzt war. Dafür war das Prozedere in der Vergangenheit zu aufwändig, wenn die Kreuzfahrtschiffe der Papenburger Meyer Werft auf ihrer Ems-Passage durch das Nadelöhr hindurch mussten. Weil es nicht reichte, für die Ozeanriesen die Brücke aufzuklappen, mussten jedes Mal Elemente der Brücke umständlich an die Seite geschafft werden. Mit dem Bau einer neuen Brücke werden zumindest diese Passagen wohl einfacher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.12.2015 | 08:00 Uhr