Stand: 04.10.2015 12:53 Uhr

Wolfsangriff: Schäfer attackiert Umweltminister

Bild vergrößern
Insgesamt neun Schafe überlebten den Angriff am Freitag in Goldenstedt nicht.

Nach dem mutmaßlichen Wolfsangriff in Goldenstedt (Landkreis Vechta), bei dem am Freitag neun Schafe getötet wurden, hat Schäfer Tino Barth schwere Vorwürfe gegen Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erhoben. "Wir fragen uns hier alle, ob Wenzel noch zurechnungsfähig ist", sagte Barth im Gespräch mit der ARD-Reportagereihe #BECKMANN. "Der redet nur und macht nichts. Dabei hat dieser Wolf hier in Niedersachsen in acht Monaten mehr Schaden angerichtet als alle Wölfe in Sachsen in den vergangenen Jahren zusammen." Barth geht davon aus, dass die Angriffe auf das Konto einer Wölfin gehen, die für den Großteil der Schafsrisse in der Region verantwortlich gemacht wird: "Ich verstehe nicht, warum das Tier trotzdem immer noch nicht als Problemwolf entnommen wurde."

DNA-Test soll endgültige Klarheit bringen

Seit der Rückkehr der Wölfe sind allein in den Landkreisen Vechta und Diepholz bereits bis zu 100 Tiere gerissen worden. Ein Nachbar von Barth hatte im vergangenen Jahr zwölf Schafe verloren - getötet von einem Wolf. Ob es sich im aktuellen Fall auch um Wolfsrisse handelt, steht noch nicht gänzlich fest. Endgültige Gewissheit soll eine Untersuchung der DNA bringen. Nach Angaben des zuständigen Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kann mit den Ergebnissen erst in den kommenden Wochen gerechnet werden. Der örtliche Wolfsberater Torsten Schumacher, der die Kadaver in Augenschein genommen hat, geht ebenfalls davon aus, dass erneut die sogenannte Problemwölfin zugeschlagen hat. Der Biss in den Hals sowie der Umstand, dass mehrere Tiere gerissen und auch verschleppt wurden, deuteten ganz klar auf einen Wolfsangriff hin.

Finanzielle Schwierigkeiten drohen

Bild vergrößern
Schäfer Tino Barth (l.) befürchtet bei weiteren Wolfsangriffen finanzielle Probleme.

Barth befürchtet, dass weitere Wolfsattacken für ihn auch zu einem finanziellen Problem werden könnten. Von maximal 15.000 Euro Entschädigung in drei Jahren hat er bereits 6.000 Euro für Präventionsmaßnahmen wie Zäune in Anspruch nehmen müssen. Dazu kommen jetzt rund 3.000 Euro für die gerissenen Tiere. "Was ist beim nächsten Angriff?", fragte Barth im Gespräch mit #BECKMANN. "Meine Zuchtböcke bringen auf Auktionen bis zu 6.000 Euro pro Tier. Wenn einer von denen getötet wird, sehe ich alt aus."

Überspringt der Wolf Elektrozäune?

Dabei hat Barth einiges getan, um seine Tiere vor den Wölfen zu schützen. Rund um die Wiesen stellte er 1,05 Meter hohe Elektrozäune auf - höher und mit mehr Volt als vorgeschrieben. Beim jüngsten Angriff blieb der Zaun allerdings unversehrt. "Der Wolf muss darüber gesprungen sein", so Barth. "Das ist vor ein paar Tagen hier in der Nähe schon einmal bei einer Herde passiert." Auch die Esel, die Barth seit Anfang des Jahres zum Schutz seiner Tiere einsetzt, konnten nicht helfen. Auf der Wiese, auf der Barth nun die Kadaver seiner Schafe fand, waren sie nicht im Einsatz.

Weitere Informationen

Die Angst vor den Wölfen

07.09.2015 20:15 Uhr
Das Erste: #Beckmann

Der Wolf ist zurück in Deutschland und kommt den Menschen immer näher. Reinhold Beckmann trifft Gegner und Befürworter einer Rückkehr des Wolfes, und will wissen: Wie viel Wildnis vertragen wir? mehr

Der Wetterbericht als Schutz gegen Wölfe?

Kann man gegen Wölfe vorgehen? Und wenn ja, wie? Auf dem internationalen Wolfskongress in Wolfsburg zeigten Wissenschaftler, wie in anderen Ländern mit dem "Problem" Wolf umgegangen wird. (26.09.2015) mehr

Eine Erfolgsgeschichte: Eselstuten als Wolfsschreck

Schafzüchter Tino Barth aus Goldenstedt setzt beim Schutz seiner Schafherde lieber auf laute Eselstuten als auf hohe Stromstärken. Doch die Methode könnte bald nicht mehr genügen. (04.09.2015) mehr

Dossier: Die Wölfe sind zurück

Lange galten sie als ausgestorben, doch inzwischen sind sie zurück in Niedersachsen: die Wölfe. Was viele Umweltschützer begeistert, bereitet Landwirten Sorge. Ein Dossier über die Raubtiere. mehr