Stand: 31.01.2012 15:38 Uhr

Windpark-Unglück: Arbeiter ist ertrunken

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Der Unfall ereignete sich auf einer Arbeitsplattform 100 Kilometer nordwestlich von Borkum.

Die Untersuchung des vor wenigen Tagen tot geborgenen Windpark-Arbeiters ist abgeschlossen. Wie die Staatsanwaltschaft Aurich am Dienstag mitteilte, ist der Mann auf der Windpark-Baustelle "Bard Offshore 1" ertrunken. Doch der genaue Unfallhergang ist noch nicht geklärt. Die Ermittler erwarten dazu erst im März klärende Ergebnisse.

Wurde dem Arbeiter sein Sicherheitsseil zum Verhängnis?

Zu dem tödlichen Unglück war es am 25. Januar gekommen. Der 31-Jährige war zusammen mit einer Anlandeplattform ins Meer gestürzt. Ein weiterer Arbeiter konnte sich retten. Der Industriekletterer war an dem Bauteil angeseilt. Möglicherweise wurde ihm sein eigenes Sicherheitsseil zur tödlichen Falle. Normalerweise haben Industriekletterer ein Messer dabei, um das Seil im Notfall zu kappen. Deshalb hatten seine Kollegen direkt nach dem Unfall noch die Hoffnung, er könne wieder auftauchen.

Überlebensanzug schützte nur für acht Stunden

An der Unglücksstelle einhundert Kilometer nordwestlich von Borkum hatte ein Taucherteam bis zum späten Donnerstagvormittag im 40 Meter tiefen Wasser der Nordsee gesucht. Stunde um Stunde waren die Chancen gesunken, den Mann noch lebend zu finden. Er trug einen Überlebensanzug, in dem er aber nur für etwa acht Stunden geschützt war.

Die aufwendige Suche verlief vergeblich. Zwei Tage nach dem Unfall konnten Retter der Feuerwehr Emden nur noch die Leiche des Mannes bergen. Diese war zuvor von einem Tauchroboter unter Wasser geortet worden.

Sicherheitskonzept für Offshore-Windparks

Die Angehörigen des Arbeiters werden nach Angaben vom Betreiber Bard von einem Seelsorger betreut. Bard will nun die Unfallursache untersuchen. Das Rettungskonzept habe einwandfrei funktioniert, betont Firmensprecher Andreas Kölling. Unfälle wie dieser seien tragisch, aber bei allen Vorsichtsmaßnahmen nicht immer zu verhindern. Die übrigen Mitarbeiter seien an Land gebracht worden. Für Fachleute steht fest: Die Sicherheit beim Bau von Windkraftanlagen im Hochseebereich muss verstärkt werden, um solche Arbeitsunfälle zu vermeiden.

Neue Notfall-Leitstelle soll kommen

In Bremen haben derweil Experten aus der Windkraft-Industrie über die Einrichtung einer Notfall-Leitstelle beraten. Dort sollen Rettungseinsätze in Zukunft besser koordiniert werden - zurzeit dauere es noch zu lange, bis Einsatzkräfte nach einem Unfall vor Ort seien. Die Vorschläge der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger seien positiv aufgenommen worden, sagte der Leiter des Rettungsdienstes, Kapitän Udo Helge Fox. "Eine Arbeitsgruppe soll so schnell wie möglich die praktische Umsetzung erster Schritte vorantreiben."

Provisorisch könnte die Leitstelle noch in diesem Jahr mit ihrer Arbeit beginnen. Die Finanzierung müsse von den Windpark-Betreibern kommen. Die Fachleute rechnen damit, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 1.000 Mitarbeiter dauerhaft ihr Geld in Windparks auf hoher See verdienen. Dadurch steige allerdings auch die Wahrscheinlichkeit von Unfällen.