Stand: 01.09.2011 18:40 Uhr

Wiesenhof-Reportage sorgt für Entsetzen

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Die ARD-exklusiv-Reportage "Das System Wiesenhof" ist der zweite Film des SWR über den Geflügelkonzern.

Der Geflügelkonzern Wiesenhof aus Rechterfeld (Landkreis Vechta) macht wieder Schlagzeilen. Am Mittwochabend lief eine ARD-Reportage mit dem bezeichnenden Titel: "Das System Wiesenhof - Wie ein Konzern Tiere, Menschen und Umwelt ausbeutet". Wiesenhof hatte versucht, die Ausstrahlung der Sendung zu verhindern, Programmbeschwerde eingelegt und eine außerordentliche Sitzung des Rundfunkrates verlangt. Der SWR sendete den Beitrag aber wie geplant. Entsetzen bei Hähnchenerzeugern und Naturschützern

Entsetzen bei Hähnchenerzeugern und Naturschützern

In einer ersten Reaktion auf den Film sagte der Wiesenhof-Mäster und Präsident der deutschen Hähnchenerzeuger, Rainer Wendt, er könne sich gar nicht vorstellen, dass die Bilder wirklich bei Wiesenhof entstanden seien. Wenn doch, sei so etwas nicht hinnehmbar. Wendt habe so etwas in mehr als zehn Jahren bei Wiesenhof noch nicht erlebt. Der Vorsitzende des niedersächsischen Geflügelwirtschafts-Verbandes, Wilhelm Hoffrogge, bezeichnete bei NDR 1 Niedersachsen den ARD-Film "Das System Wiesenhof" als einseitig und diffamierend. Es seien fast ausschließlich Kritiker von Wiesenhof zu Wort gekommen. Die gezeigten Misshandlungen von Tieren seien zwar als Verstöße nicht zu akzeptieren und müssten abgestellt werden. Allerdings handele es sich um Einzelfälle, aus denen nicht auf ein ganzes Unternehmen oder gar auf eine ganze Branche geschlossen werden könne, sagte Hoffrogge.

Bernd Averbeck vom Naturschutzbund (NABU) in Lohne wundert sich dagegen nicht. Derartige Bilder seien ja von der Massentierhaltung bekannt, sagte er NDR 1 Niedersachsen. Aber Politik und Verbraucher wollten es offenbar so. Der Name "Wiesenhof" könne angesichts der Bilder eigentlich nur als Irreführung bezeichnet werden.

"Hexenverfolgung auf der Mattscheibe"

Wiesenhofs Seniorchef Paul-Heinz Wesjohann ärgert das: "Das ist die Hexenverfolgung aus dem Mittelalter, damals wurden die verbrannt ohne eine Gerichtsentscheidung. Und die Verbrennung heute findet auf der Mattscheibe statt." Wesjohann fühlt sich verfolgt. Immer wieder diese beiden Filmemacher aus Mainz, die ihm Tierquälerei unterstellten und in Filmen auch nachwiesen.

Anderthalb Jahre Recherche rund um Wiesenhof

Die Filme kämen aber von PETA - der "radikalen Tierschutzorganisation", wie Wesjohann sie nennt - und sie seien nicht authentisch. ARD-exklusiv-Reporterin Monika Anthes widerspricht: "Wir haben sauber recherchiert, haben viele Quellen und sehen der ganzen Sache gelassen entgegen." Anderthalb Jahre habe sie zusammen mit ihrem Kollegen Edgar Verheyen recherchiert und kenne nun "das System Wiesenhof".

"Es leiden Tiere und Menschen"

Das System sei eine industrielle Massenproduktion - vom Futter bis zum Tiefkühlhähnchen - alles aus einer Hand. Das heiße aber auch: "Ein Konzern bestimmt die Produktion, unserer Meinung nach. Es leiden die Tiere darunter, es leiden aber auch die Menschen. Wir haben mit Pächtern gesprochen, die zu wenig verdienen und sich abhängig machen."

Bereits vor der Ausstrahlung des Films gab es die nächsten Anzeigen der Tierschutzorganisation PETA wegen erheblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die Schlachtverordnung.