Stand: 12.01.2016 08:30 Uhr

Werden Frauen vermehrt von Flüchtlingen belästigt?

Fünf Frauen sind am Samstagabend in Oldenburg offenbar Opfer sexueller Gewalt geworden. In zwei Kneipen wurden sie unsittlich berührt und beleidigt. Eine der Frauen hat nun bei der Polizei Anzeige erstattet, nach den anderen vier Frauen wird noch gesucht. Unter den insgesamt fünf übergriffigen Männern waren auch zwei algerische Flüchtlinge, sie gelten als Haupttäter. Nach den Vorfällen in Köln, in die offenbar auch Flüchtlinge verwickelt waren, wird an dieser Stelle nun genauer hingeschaut. Kommt es in Niedersachsen tatsächlich verstärkt zu Übergriffen von Flüchtlingen auf Frauen? Die Polizeidirektionen im Land sprechen von "Einzelfällen". Ohne die Vorfälle in Köln würden die Übergriffe von Oldenburg heute nicht derart öffentlich diskutiert, so Oldenburg Polizeisprecher Mathias Kutzner. Jedes Wochenende gebe es ähnliche Vorfälle, viele von ihnen würden gar nicht angezeigt. In Niedersachsen werden seit November Straftaten von und an Flüchtlingen gezielt erfasst. Nach Angaben der Polizeidirektion in Hannover wurden seitdem sieben Anzeigen wegen sogenannter sexualisierter Gewalt an Frauen erstattet.

Polizei spricht von Einzelfällen

Der Polizeisprecher betont aber gleichzeitig, dass er die Taten nicht verharmlosen wolle. Die beiden 18 und 20 Jahre alten Algerier, die als Haupttäter gelten, seien sehr aggressiv vorgegangen. Gemeinsamen mit einem Deutschen aus Wildeshausen (Landkreis Oldenburg), einem weiteren Algerier und einem Marokkaner seien sie gezielt durch verschiedene Kneipen in der Oldenburger Innenstadt gezogen und hätten Frauen belästigt. Die Polizei werde weiter ermitteln.

Versuchte Vergewaltigung in Hannover

Nicht nur in Oldenburg kam es am Wochenende zu Übergriffen von Flüchtlingen auf Frauen: Im Raum Hannover hat es am Sonntagabend einen Fall von sexueller Nötigung gegeben. Ein 23-jähriger Asylbewerber aus dem Libanon steht im Verdacht, einer 45-jährigen Frau im Laatzener Stadtteil Gleidingen bis ins Treppenhaus ihres Wohnhauses gefolgt zu sein. Dort entblößte er sich demnach, fasste der Frau an die Brust sowie zwischen die Beine und biss ihr in die Wange. Erst als die Frau laut um Hilfe schrie, ließ der Angreifer laut Polizei von ihr ab und flüchtete. Der Mann sollte noch am Montag auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Richter vorgeführt werden.

Wenn Frust und Langeweile wachsen

Dieter Holzapfel, Präsident des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, wagt einen Erklärungsversuch für die Übergriffe von Flüchtlingen. Die vornehmlich jungen Männer kämen aus einer anderen Kultur und hätten häufig ein ganz anderes Frauenbild. Zudem hausten sie zum Teil monatelang in einer Massenunterkunft. "Da wachsen Frust und Langeweile", so Holzapfel.

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Hallo Niedersachsen | 11.01.2016 | 19:30 Uhr