Stand: 08.01.2016 15:03 Uhr

Verhungerte Frau: Haft für Angeklagte gefordert

Im Prozess um den qualvollen Hungertod einer 49-jährigen Frau aus Thedinghausen (Landkreis Verden) hat die Staatsanwaltschaft am Freitag vor dem Landgericht lange Haftstrafen für die Angeklagten gefordert. Der Ehemann soll demnach zehn Jahre, die 18-jährige Tochter fünf Jahre in Haft. Beiden wird vorgeworfen, für die nach einem Sturz schwerverletzte Frau keinen Arzt geholt zu haben. Stattdessen habe die Frau über Wochen auf dem Sofa der gemeinsamen Wohnung gelegen und sei von den Angeklagten nicht ausreichend versorgt worden.

Frau konnte nicht mehr selbstständig aufstehen

Im Januar hatte sich die 49-jährige Frau bei einem Sturz die Hüfte gebrochen. In den folgenden sechs Wochen sei die Frau immer schwächer geworden. Vor dem Landgericht Verden warf die Staatsanwaltschaft sowohl dem Ehemann als auch der Tochter vor dabei tatenlos zugesehen zu haben. Sie hätten sehr wohl gemerkt, dass es der Frau immer schlechter ging und sie nicht mehr selbstständig von ihrem Lager auf der Sofa im Wohnzimmer aufstehen konnte. Trotzdem hätten sie der alkoholkranken Frau nicht geholfen.

"Sie wussten, dass die Mutter so sterben würde"

Vom Vorwurf des Mordes rückte Staatsanwältin Annette Marquardt jedoch ab, wie eine Gerichtssprecherin im Landgericht Verden sagte. Es sei nicht sicher nachweisbar, dass die Tat als Mord zu werten sei. Vater und Tochter seien aber wegen vorsätzlicher Tötung zu verurteilen. Durch die familiäre Nähe hätten sie eine Fürsorgepflicht gehabt. "Sie wussten, dass die Mutter so sterben würde", sagte Marquardt.

Verteidigung fordert Freispruch

Der Verteidiger der Tochter forderte einen Freispruch für seine Mandantin. Sie habe sich von klein auf um ihre Mutter kümmern müssen - statt umgekehrt. Dadurch sei sie schließlich am Ende ihrer Kräfte gewesen, sagte er.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Regional Oldenburg | 08.01.2016 | 17:00 Uhr