Stand: 29.02.2016 15:01 Uhr

Nordseewerke: Wieder geht ein Kapitel zu Ende

Dieser letzte Montag im Februar 2016 ist auch der letzte Tag der Transfergesellschaft Nordseewerke Emden Shipyard - pünktlich zum 1. März stellt sie ihre Arbeit ein. Damit sind auch 62 Mitarbeiter der ehemaligen Nordseewerke, die erst im September vergangenen Jahres in die Transfergesellschaft mussten, arbeitslos. Zehn Mitarbeitern wurde bereits betriebsbedingt gekündigt. Die Geschäftsführung der neuen Nordseewerke hatte sich um den Bau von Riesenrädern für Innenstädte beworben. Erfolg stellte sich aber nicht ein - die Aufträge gingen nach China.

Auf eine Insolvenz folgt die nächste

Mit einer mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte und mehreren Tausend Beschäftigten galten die Nordseewerke einst als die Traditionswerft in Ostfriesland. 2010 übernahm der Offshore-Anlagenbauer SIAG die Werft. Doch die Auftragsbücher blieben leer und die rund 700 Personen starke Belegschaft war in kürzester Zeit beschäftigungslos. Nach der Insolvenz des Anlagenbauers versuchte sich die saarländische DSD Steel mit rund 240 Mitarbeitern - und führte die Belegschaft nach nur wenigen Aufträgen in die Kurzarbeit und das Unternehmen im September 2015 in eine erneute Pleite. Die nur noch rund 175 Mitarbeiter wechselten in die Transfergesellschaft.

Nordseewerke wollen zurück zum Schiffbau

Nach Auskunft von Betriebsrat Hans-Günter Schäfer sei die Transfergesellschaft zwar erfolgreich gewesen. Doch eben nicht für alle. Unter den übrigen 62 Mitarbeitern der ehemaligen Nordseewerke, die nun gehen müssen, seien viele ältere. "Hier in der Region einen neuen Job zu finden, ist in der Branche nicht einfach", sagte Schäfer. Wer die Chance auf einen neuen Job hatte, der habe sie in den vergangenen Monaten gleich ergriffen. Rund ein Dutzend Mitarbeiter sei auf dem Gelände geblieben und zu den Emder Werft und Dock-Betrieben gewechselt. 75 hatten zwischenzeitlich Arbeit bei den neuen Nordseewerken Emden Shipyard gefunden. "Wir wollen den Kontakt zu den ehemaligen Nordseewerkern halten, möglicherweise gibt es in diesem Jahr noch Aufträge", sagte Geschäftsführer Patrick Hennings-Huep. Langfristig wollen die Nordseewerke wieder in den Schiffbau einsteigen. Der Geschäftsführung zufolge werde aktuell zumindest über den Bau von Schiffsteilen verhandelt.

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