Stand: 03.03.2016 17:27 Uhr

Auf der Suche nach dem perfekten Teddybär

von Oliver Gressieker

"Ich bin vom Bären-Virus befallen und hänge sozusagen an der Nähnadel." Mit diesen Worten beschreibt Heike Hilkenbach aus Loppersum (Landkreis Aurich) ihre Leidenschaft, die vom Hobby zum Beruf wurde. Seit 2006 näht die 57-Jährige aus Stoff und Plüsch Teddybären und andere niedliche Tiere. In den vergangenen Jahren hat sie ihre Kunst perfektioniert und zahlreiche Preise abgeräumt - unter anderem darf sie sich "Europameisterin im Bärenmachen" nennen.

Ostfriesische Teddybären räumen Preise ab

Bärenmachen als Anti-Stress-Therapie

Der Einstieg in ihre "Sucht" erfolgte eher zufällig. "Ich war auf der Suche nach einem Ausgleich zu meinem stressigen Job als Einkaufsleiterin in einem Verpackungsunternehmen, als mir eine Kollegin den Tipp gegeben hat", erzählt Hilkenbach. "Vorher hatte ich versucht, mit viel Sport zu entspannen, doch das hat nicht wirklich funktioniert." Die Teddybären dagegen waren Liebe auf den ersten Blick. Hilkenbach kaufte sich Bücher mit Anleitungen und besuchte Online-Workshops. Vor allem aber probierte sie aus. "Ich habe am Anfang alle Fehler gemacht, die man machen kann", sagt sie. "Wenn ich heute meine ersten Bären anschaue, kann ich das kaum glauben."

Mit "Annemarie" zum EM-Titel

Hilkenbach lässt sich allerdings nicht entmutigen und schon bald stellen sich die ersten Erfolge ein. 2008 gewinnt sie mit ihrem Teddybären Paule den "Gläsernen Teddybär" in der Kategorie Anfänger. Diesen Status legt sie allerdings schnell ab und kommt 2012 endgültig in der Bärenmacher-Elite an. Bei der Europameisterschaft gewinnt sie mit ihrem Teddy "Annemarie" in der Kategorie Urform, sprich bei den klassischen Teddybären. 2014 folgt dann der Sieg beim wohl wichtigsten Wettbewerb der Branche, dem "Ted Worldwide", und im vergangenen holt Hilkenbach dann auch noch den "Goldenen George", den Oscar unter den Bärenmachern.

Kunden schätzen Hilkenbachs Arbeit

Die zahlreichen Urkunden und Pokale präsentiert Hilkenbach in ihrem Arbeitszimmer. Doch eigentlich sind für sie die Wettbewerbe eher zweitrangig: "Ich freue mich in erster Linie darüber, wenn ich einen schönen Bären nähen und einem Käufer damit eine Freude machen kann." Mittlerweile hat sie viele Stammkunden, die ihre Arbeit sehr schätzen und bis zu 600 Euro für einen Teddybär bezahlen. "Mit einigen ist mittlerweile sogar schon eine Art Freundschaft entstanden, sie schicken Fotos und berichten, wie es den Bären geht", erzählt die 57-Jährige, die erst vor drei Jahren mit ihrem Mann von Gelsenkirchen nach Ostfriesland gezogen ist.

Ein weißer Teddybär sitzt vor diversem Nähzeug. © NDR Fotograf: Oliver Gressieker

Die schönsten Teddybären gibt es in Loppersum

Seit zehn Jahre näht Heike Hilkenbach aus Loppersum in stundenlanger Feinarbeit Stofftiere. Im Gespräch mit NDR.de erklärt sie, wie ein klassischer Teddybär entsteht.

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"Am schwierigsten ist das Gesicht"

Hauptberufliche Bärenmacherin ist Hilkenbach seit fast sieben Jahren. Im Sommer 2009 gab sie den Job als Einkaufsleiterin auf, um sich ganz ihrer großen Leidenschaft widmen zu können. Seitdem produziert sie rund 40 Plüschtiere pro Jahr, die reißenden Absatz finden. Die Arbeitszeit für einen Bären liegt je nach Größe und Details zwischen 15 und 50 Stunden. Hilkenbach entwirft lediglich die Schnittmuster am Computer, der Rest ist Hand- beziehungsweise, wie sie selbst sagt, "Fuzzelarbeit". "Am schwierigsten ist grundsätzlich das Gesicht", sagt die Bärenmacherin, "das realistisch hinzubekommen, ist eine ziemlich großer Herausforderung."

Das Ziel ist der perfekte Bär

Rund 300 bis 400 Teddybären und andere Stofftiere hat Hilkenbach bisher produziert - und ein Ende ist noch nicht in Sicht. "Ich möchte so lange Bären machen, wie ich nähen kann", sagt sie. "Der Bären-Virus ist einfach zu stark." Außerdem hat sie trotz der vielen Preise und zufriedenen Kunden noch ein ganz großes Ziel. "Ich bin noch immer auf der Suche nach dem perfekten Bären", sagt Hilkenbach. "Ich hoffe, dass er mir eines Tages gelingt."