Stand: 09.07.2014 06:43 Uhr

Stahlpfähle versenken in XXL

Monopiles gehören zu Windparkfundamenten und werden im Meeresboden versenkt.

Es ist ein imposanter Anblick, der sich auf einem Testgelände in Cuxhaven bietet: Ein gigantischer, 93 Tonnen schwerer Pfahl aus Stahl verschwindet innerhalb von Sekunden im Boden. Ein neues Verfahren für den Bau von Offshore-Windparks wird hier getestet - und dieser Test hat enorme Bedeutung für die Offshore-Industrie. Denn sollte er das erhoffte Ergebnis bringen, könnten Unternehmen mithilfe der neuen Technik Millionen sparen und zugleich Meerestiere und Arbeiter schützen.

Einrammen schadet Menschen und Schweinswalen

Auf dem Testgelände werden Teile von Windparkfundamenten, sogenannte Monopiles, durch Rüttelbewegungen in den Boden gelassen. Bislang wurden die Monopiles eingerammt, doch dieses Verfahren dauert lange und ist sehr aufwendig. Außerdem verursacht es einen Höllenlärm. Das belastet die Arbeiter und vor allem auch die Meeresbewohner. Besonders lärmempfindlich sind die Schweinswale in Nord- und Ostsee - und unter Wasser verstärkt sich der Schall zusätzlich und breitet sich aus.

"Beim Rütteln fassen wir den Pfahl sanfter an"

Nun sollen die Pfähle also in den Boden "vibriert" werden. Das ist leiser und könnte allein dadurch schon viel Geld sparen. Denn beim Einrammen eines Pfahls bewegen sich mehrere Schiffe um den Koloss herum, die unter anderem die Ausbreitung des Schalls hemmen. Wird die Vibrationstechnik angewandt, sagt Projektleiter Tobias Griesshaber von RWE Innogy, "sind wir leiser, reduzieren den Schall an der Quelle und haben weniger Schiffe im Einsatz."

Weniger schädlich ist das Vibrieren nicht nur für Mensch und Tier, sondern auch für den Pfahl selbst. Die neue Technik könnte seine Lebensdauer von bisher 20 bis 25 Jahren verlängern, glauben die Experten. "Jeder Rammschlag lässt den Pfahl um eine Woche altern", erklärt Griesshaber. "Beim Rütteln fassen wir den Pfahl sanfter an und führen ihm dauerhafte Energie zu. Dadurch wird der Boden mobilisiert und der Boden weicht dem Pfahl aus." Der Widerstand ist geringer. Das führt auch dazu, dass der 93-Tonnen-Pfahl in weniger als einer Minute im Boden versinkt. Das Einrammen dauert etwa eine Stunde.

Tests müssen Standfestigkeit belegen

Die Fachleute setzen große Hoffnungen in das Rüttelverfahren. Dass es Zeit spart, haben sie bereits bewiesen. Nun müssen sie noch überprüfen, ob die Pfähle genauso standfest sind wie die gerammten. Zu diesem Zweck versenken sie sechs Pfähle auf dem Testgelände - drei mit Vibrier-, drei mit Rammtechnik. "Den Sieger werden wir dann verkünden", so Bauleiter Ralf Sternberg.

Mehr als sechs Millionen Euro kosten die Versuche. Sollte die neue Technik als "Sieger" aus den Tests hervorgehen, hätte man diese Summe rasch wieder drin. Die Testergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Wenn sich die Methode durchsetzt, könnte sie schon im kommenden Jahr angewandt werden.

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Hallo Niedersachsen | 08.07.2014 | 19:30 Uhr