Stand: 25.02.2016 12:09 Uhr

Sensation im Jadebusen: Nagelrochen entdeckt

Damit hatte Meeresforscher Andreas Dänhardt nicht gerechnet: Im Rahmen des Fisch-Monitorings im Jadebusen ging ihm ein fast ausgewachsener Nagelrochen ins Netz. "In der Nordsee ist der Nagelrochen extrem selten und gilt als vom Aussterben bedroht", so Dänhardt. Dieser Rochen sei seit über zehn Jahren das erste und einzige Exemplar, das er im Wattenmeer gefangen habe. Es handelt sich um ein nahezu ausgewachsenes Weibchen mit einer Länge von 67,4 Zentimetern und einem Gewicht von 2.645 Gramm, das dem Forscher rund 1.000 Meter vor dem Wilhelmshavener Aquarium am Südstrand ins Netz ging.

Seltener Fang im Wattenmeer

Perfekte Tarnung auf Sandboden

Der Nagelrochen (Raja clavata) ist graubraun und mit Punkten gezeichnet, damit ist er auf dem Sandboden des Wattenmeeres perfekt getarnt. Nagelrochen können bis zu 15 Jahre alt werden, die Weibchen werden aber erst mit etwa neun Jahren geschlechtsreif. Nach der Paarung legen sie etwa 20 bis 50 Eier, die sie mit den Haltefäden der Hornkapseln an Pflanzen verankern. Die Jungtiere schlüpfen erst nach vier bis fünf Monaten. Auf dem Speisezettel der Nagelrochen stehen am Meeresboden lebende kleine Fische, Krabben und Garnelen.

Im Wattenmeer fast ausgestorben

Nach Angaben des Nationalparks Wattenmeer war der Nagelrochen früher die häufigste Rochenart in den europäischen Schelfmeeren, dem Bereich nahe der Küsten mit maximal 200 Metern Tiefe. Um 1910 wurden allein im niedersächsischen Wattenmeer jährlich noch etwa 18.000 Exemplare gefangen. Durch Überfischung sind die Bestände allerdings stark zurückgegangen, im Wattenmeer kommen sie laut Nationalpark seit den 1960er-Jahren eigentlich nicht mehr vor. "Damit fehlt heute ein wichtiges Element der heimischen Fischfauna", sagt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. "Durch gezielte Schutzmaßnahmen im Nationalpark muss die Rückkehr der Nagelrochen ins Wattenmeer gefördert werden", fordert er.

Nagelrochen-Weibchen wieder frei

Weil Nagelrochen nur noch selten vorkommen, wird die Art in der Nordsee nicht mehr befischt, landet manchmal aber versehentlich als Beifang in Schleppnetzen. Fischer können die Rückkehr des Fisches laut Nationalpark Wattenmeer fördern, indem sie versehentlich gefangene Rochen gleich an Bord aussortieren und wieder zu Wasser lassen. Rochen könnten so einen unfreiwilligen "Landgang" recht gut überstehen. Auch das Rochenweibchen aus dem Jadebusen habe durch die Forschungsarbeit keinen Schaden genommen. "Das Tier war etwas schlapp und ließ sich dadurch gut handhaben, messen und wiegen", so Meeresforscher Dänhardt. "Wir haben es dann gleich wieder vorsichtig ins Wasser gesetzt, und es schwamm selbstständig nach unten weg."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.02.2016 | 11:00 Uhr