Stand: 15.02.2016 11:20 Uhr

Schweinegrippe in Leer: Zahl der Patienten steigt

Die Zahl der Patienten, die mit dem hochansteckenden Influenza-A-Virus H1N1 infiziert sind, ist im Borromäus Hospital in Leer inzwischen auf sechs gestiegen. Nach Angaben einer Sprecherin liegen zwei von ihnen auf der Intensivstation, außerdem gebe es sechs weitere Verdachtsfälle. Alle Patienten hätten sich außerhalb des Krankenhauses mit dem sogenannten Schweinegrippe-Virus infiziert. Das Borromäus Hospital hat eine Isolierstation mit 16 Betten eingerichtet. Direkt nachdem ein Prüflabor den Verdacht bestätigt hatte, habe das Krankenhaus die Betroffenen isoliert, so die Sprecherin.

"Dunkelziffer der Infizierten sehr viel höher"

"Die Isolierstation ist Sache des Krankenhauses, vorgeschrieben ist das nicht", sagte Holger Scharlach, Sprecher des Landesgesundheitsamtes. Seit Beginn der Grippe-Saison im Herbst habe es landesweit mehr als 400 Influenza-Fälle gegeben. 70 Prozent davon seien Schweinegrippe-Fälle gewesen, so Scharlach. Zwar sei Influenza meldepflichtig, doch die meisten Ärzte würden Patienten gar nicht auf Grippe testen, sondern mit der Diagnose "starke Erkältung" nach Hause schicken. Die Dunkelziffer der tatsächlich an Grippe erkrankten Menschen sei daher sehr viel höher. Die Zahlen seien in diesem Jahr bisher aber im Normal-Bereich, sagte Scharlach.

Station wird nur mit Atemschutz betreten

Die Grippe wird per Tröpfcheninfektion übertragen, also zum Beispiel beim Husten oder Niesen. Auch über die Kleidung können die Viren übertragen werden. Über die Hände und dann über Mund, Nase oder Augen gelangen die Viren in den Körper. Auf der Isolierstation, die nur über einen separaten Zugang betreten werden kann, tragen die Mitarbeiter Schutzkittel, Handschuhe und Atemmasken. Sie betreuen keine anderen Patienten, wie der Pflegedirektor des Hospitals, Andreas Dörkßen, betonte. Sollten in den kommenden Tagen weitere Patienten mit dem Influenza-Virus eingeliefert werden, sei die Klinik gut darauf vorbereitet.

Die Schweinegrippe

Die Schweinegrippe ist eine Atemwegserkrankung. Bei dem Virustyp handelt es sich um eine Variante der klassischen Schweinegrippe unter Tieren. Im Jahr 2009 hatte sich das Virus vor allem in Mexiko und in den USA rasant ausgebreitet. Um die Bevölkerung zu schützen, hatten die Behörden in Deutschland schließlich massenweise Impfstoff eingekauft. Nur wenige Patienten hatten sich damals impfen lassen.

Expertin: Schwerer Verlauf ist eher selten

Eine Expertin für Influenza-Viren vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin sagte, der H1N1-Virus sei erst seit dem Jahr 2009 im Umlauf. Im Winter 2009/2010 hatte sich die Krankheit in ganz Deutschland ausgebreitet. In den Jahren danach hatte es ebenfalls Todesfälle durch Schweinegrippe gegeben, auch in Niedersachsen. Dass die Krankheit einen so schweren Verlauf nehme, sei aber selten, so die RKI-Expertin. Dennoch sei dies auch bei jüngeren Menschen und bei Personen ohne chronische Vorerkrankungen möglich. Nach Angaben der EU ist die Schweinegrippe bislang aber insgesamt harmloser verlaufen, als man zuerst befürchtet hatte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.02.2016 | 11:00 Uhr