Stand: 03.02.2016 17:20 Uhr

6.500 Tonnen verseuchte Erde müssen weg

Knapp anderthalb Jahre nach der verheerenden Explosion in der Chemiefabrik Organo Fluid in Ritterhude ist es wieder laut auf dem Gelände: Vor Kurzem hat die Sanierung des Areals begonnen. Seit Mitte Januar sind große Bagger im Einsatz, um die Beton-Bodenplatten der völlig zerstörten Fabrik herauszubrechen. Der dabei entstehende Schutt soll in den kommenden drei Wochen mit Lastwagen abgefahren werden.

Schweres Gerät bricht Boden von Chemiefabrik auf

6.500 Tonnen Erdreich sind verseucht

Im Anschluss soll der verseuchte Boden aus dem Gelände ausgehoben werden. Nach derzeitigem Stand der Planung wird das ab März geschehen. Die Erde ist derart kontaminiert, dass sie teilweise voraussichtlich bis zu einer Tiefe von acht Metern entfernt werden muss. Nach Auskunft des niedersächsischen Umweltministeriums handelt es sich dabei um insgesamt rund 6.500 Tonnen Erdreich, aus dem später in einer speziellen Einrichtung die Schadstoffe herausgefiltert werden sollen. Wo die Säuberung erfolgt, sei aber noch unklar, hieß es.

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Sanierungsarbeiten sind im vollen Gange

Im Januar haben die Sanierungsarbeiten auf dem Gelände der Chemiefabrik in Ritterhude begonnen. Gudrun Laub von der Gemeinde erläutert die Arbeiten und die Belasstungen für die Anwohner. Video (01:29 min)

Zukunft des Geländes noch offen

Nach Angaben der Gemeinde Ritterhude wird die komplette Sanierung voraussichtlich bis Juni dauern. Was danach mit dem Gelände passiert, sei noch unklar, sagte die Leiterin des Sachgebiets Sicherheit und Ordnung, Gudrun Laub, im Gespräch mit NDR.de. Es werde aber auf jeden Fall eine umfeldgerechte Bebauung angestrebt. Laub warb um Verständnis für die erneute Lärmbelästigung durch die Sanierung und bedankte sich bei den Anwohner dafür, dass sie die Belastungen nach der Explosion bisher mit großer Gelassenheit ertragen hätten.

Spuren eines verheerenden Unfalls

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen

Bei der Explosion der Chemiefabrik am 9. September 2014 hatte ein 60-jähriger Mitarbeiter Verbrennungen dritten Grades erlitten. Er starb rund eine Woche später im Krankenhaus. Durch die Explosion wurden zudem zahlreiche Wohnhäuser schwer beschädigt. Die genaue Explosions-Ursache ist weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft Verden ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und des unerlaubten Betreibens von Anlagen. Ein Ende der Ermittlungen sei noch nicht absehbar, sagte ein Sprecher gegenüber dem NDR.

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