Stand: 14.12.2015 20:50 Uhr

Reisen auf zwei Etagen: Der neue Doppelstock-IC

von Andreas Barnickel
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Auch im IC können sich die Reisenden nun entscheiden: Oben oder unten sitzen?

IC 2434 aus Leipzig hat eine halbe Stunde Verspätung, als er auf Gleis 4 im Oldenburger Hauptbahnhof einfährt. Die Türen der grau-weiß lackierten Waggons mit dem roten Längsstreifen sind größer als die der Doppelstockwagen, die schon seit Jahren in Niedersachsen im Regionalverkehr unterwegs sind. Im Inneren hat der Reisende die Qual der Wahl - entweder oben sitzen und einen weiten Blick in die Landschaft genießen - oder unten, fast in Höhe des Bahnsteigs. Was sofort nach der Abfahrt in Richtung Leer positiv auffällt, ist die Laufruhe. Der Zug gleitet scheinbar luftgefedert über die Schienen.

Alles neu an Bord

Und: Es riecht noch so neu an Bord. Die blauen Sitze in der 2. Klasse haben einen größeren Sitz-Abstand als in einem klassischen Intercity, der Fußboden ist mit Teppich ausgelegt. Auffällig sind auch die vielen Details wie zum Beispiel Fußstützen, die Nummerierung der verstellbaren Sitze ist sogar in Blindenschrift ausgeführt, mehrere Bildschirme in jedem Waggon sollen die Reisenden informieren. Allerdings: Die Verspätung wird an diesem Vormittag auf den Displays nicht angezeigt. Eine Studentin hat es sich auf einem der Plätze gemütlich gemacht. Sie fahre regelmäßig auf dieser Strecke, ihr gefalle der neue IC 2. "Ich war schon überrascht, als hier ein zweistöckiger Zug einfuhr", so die junge Frau. "Gut so", sagt sie - im alten Intercity hätten viele Reisende nur einen Stehplatz im Mittelgang bekommen. Positiv findet die Studentin auch, dass an jedem Sitzplatz eine Steckdose angebracht ist, um das Handy oder den Laptop zu laden.

Kleine Pannen beim Start

Die Gepäckablagen über den Sitzreihen wirken ein bisschen schmal bemessen. Eine Aktentasche findet dort vielleicht Platz, nicht aber ein Koffer oder eine dicke Reisetasche. Dafür gibt es aber in jedem Waggon spezielle Abstellflächen. Offensichtlich funktionieren aber noch nicht alle Details an Bord. Eine Toilette ist abgeschlossen. "Defekt" signalisiert ein rot-blinkendes Schild über der WC-Tür. Außerdem bleibt eine Waggontür geschlossen. Sie ist ebenfalls kaputt. Es sei schon erstaunlich, dass in einem neuen Zug die Technik nicht funktioniere, wundert sich ein Mann, der zusammen mit Freunden unterwegs ist. Eine Frauen-Reisegruppe hingegen stören die kleinen Pannen gar nicht. Die Damen prosten sich mit einem Glas Sekt an einem der hellen Holztische zu. Einen Speisewagen hat der IC 2 nicht, stattdessen einen Am-Platz-Service. Der Kaffee kostet 2,50 Euro. Schokoladengebäck gibt es auch - zumindest laut Karte, die fast an jedem Sitzplatz ausliegt. Zwischen Oldenburg und Leer müssen die Kunden aber auf ein Heißgetränk verzichten. Zumindest in diesem Streckenabschnitt ist die Minibar nicht an Bord.

Das persönliche Fazit unseres Reporters:

Auch wenn IC 2 die Verspätung selbst auf dem Rückweg nicht mehr aufholt: Der neue Doppelstock-Intercity ist ein gelungener Wurf mit vielen praktischen Details, die das Reisen mit der Bahn angenehmer machen. Doch der Zug hat einige Kinderkrankheiten, die die Deutsche Bahn hoffentlich noch in den Begriff bekommt. Denn künftig soll der neuartige Zug auf weiteren Strecken eingesetzt werden.

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Mit dem Fahrplanwechsel kommt der neue Intercity

Vielen wird der neue Intercity aus dem Regionalverkehr bekannt vorkommen. Der IC 2 kommt mit Teppichen und größeren Türen jedoch gediegener daher. Kritik dürfte es trotzdem geben. (13.12.2015) mehr