Stand: 19.01.2016 06:48 Uhr

Pottwale von Wangerooge sind wohl verhungert

Ein verknotetes Nylonnetz im Magen könnte dem zweiten Pottwal zum Verhängnis geworden sein, der am Montag am JadeWeserPort in Wilhelmshaven zerlegt worden ist. Zwar haben die Experten auch Nahrungsreste - mehr als 50 Tintenfisch-Schnäbel - in dem Wal-Vormagen gefunden, das Netz könnte die weitere Verdauung und Nährstoffverwertung aber verhindert haben. Möglicherweise hat der Wal bereits im Atlantik die Tintenfische gefressen und auch das Nylon-Netz verschluckt. Im Vormagen wurden die Fische dann zwar zersetzt, konnten im Anschluss aber nicht verdaut werden, wie die Forscher vermuten. "Es ist eigentlich das größere der beiden Tiere, wiegt mit 16 Tonnen aber zwei Tonnen weniger als der kleinere Pottwal", sagte Wal-Präparator Aart Walen gegenüber NDR.de. "Da s könnte darauf hindeuten, dass er das Netz schon länger im Magen hatte." Am Sonntag hatten die Experten den ersten der beiden Pottwale zerlegt und dabei nur einige wenige Tintenfisch-Schnäbel gefunden. Normalerweise enthalte der Magen eines Pottwals etwa 20 bis 100 davon, so Walen. Die Pottwale hätten möglicherweise gehungert und schon von ihrem eigenen Fett gelebt. Die Bearbeitung der zwei Wal-Kadaver geht zügig voran. Die Entsorgung könnte schon heute abgeschlossen werden, teilte das niedersächsische Umweltministerium mit.

Der Wal-Präparator bei der Arbeit

Präpariertes Skelett kommt nach Wangerooge zurück

Forscher der Tierärztlichen Hochschule untersuchen aktuell Teile der Pottwale. Wie eine Sprecherin mitteilte, sind die Wissenschaftler vor allem an den Innenohren der Tiere interessiert. Man habe bereits bei Schweinswalen Schädigungen an den Innenohren festgestellt. Diese seien in der Nordsee üblich. In einem CT in Hannover soll nun untersucht werden, ob auch die Pottwale am Ohr verletzt waren. Die Schädigungen sollen unter anderem durch den von Menschen verursachten Lärm auf dem Meer zustande kommen. Ist das Innenohr der Wale beschädigt, können sie sich nicht mehr richtig orientieren. Die Hauptarbeiten der Zerlegung und Vorbereitung für den Transport könnten heute abgeschlossen sein. Im Anschluss solle das Skelett eines der beiden Tiere präpariert werden, um es dann auf die Insel zurückzubringen. Dort solle es vor dem Nationalparkhaus aufgestellt werden. "Das Gebiss wird dabei abgesichert", so Jens-Peter Kiel von der Nationalparkverwaltung gegenüber NDR.de. Damit solle es vor Trophäenjägern geschützt werden. Auch vom zweiten Kadaver würden Teile des Skeletts für verschiedene Umweltbildungsorganisationen präpariert. Nach verschiedenen Probenahmen würden die anderen Teile anschließend in der Tierkörperbeseitigung in Friesoythe entsorgt.

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"Wir waren sehr gespannt auf den Mageninhalt"

Die Zerlegung der Walkadaver am JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist bisher erfolgreich verlaufen. Jens-Peter Kiel vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer berichtet von bisherigen Erkenntnissen. Video (01:29 min)

Großes Pottwalsterben vor den Küsten Deutschlands

Zeitgleich zu den Arbeiten in Wilhelmshaven skelettierten Experten in Nordstrand in Schleswig-Holstein einen nahe Büsum entdeckten Jungbullen. Die Todesursache soll in den kommenden Wochen geklärt werden. Fünf an der niederländischen Küste verendete Pottwale wurden am Sonnabend mit Lastwagen zum Hafen der Wattenmeer-Insel Texel transportiert. Insgesamt verendeten in der Nordsee innerhalb einer Woche mindestens zwölf Pottwale vor den Küsten Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und der Niederlande. Zwei vor Helgoland gefundene Walkadaver waren schon am Freitag auf Nordstrand zerlegt und in Containern verstaut worden. Laut dem Wittmunder Walexperten Jan Herrmann ist es das größte Pottwalsterben vor den Küsten Deutschlands seit dem 18. Jahrhundert.

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