Stand: 24.02.2016 17:07 Uhr

Nach Unfall mit Polizeiwaffe: Reporter geht es gut

Der bei einem Termin bei der Bremerhavener Polizei mit einer Dienstwaffe verletzte Journalist ist auf dem Weg der Genesung. Der 44-jährige Reporter der "Nordsee-Zeitung" sei noch am Dienstagabend operiert worden. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Nun gehe es auch darum, den Vorfall psychisch zu verarbeiten.

Glück im Unglück

Was war passiert? Am Dienstag war der Reporter für ein Recherchegespräch vor Ort. Unter anderem ging es dabei um die Dienstwaffen der Beamten. Bei der Vorführung eines Modells löste sich offenbar ein Schuss und traf den 44-jährigen Journalisten ins Bein. Glück im Unglück, es war ein glatter Durchschuss und es bestand keine Lebensgefahr - trotzdem musste der Reporter verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden. Einige Fragen aber bleiben weiter offen: Wie konnte das passieren? Wieso hantieren Polizisten bei Presseterminen überhaupt mit geladenen Waffen? Und: Was erwartet den Schützen jetzt, der dazu Ausbilder ist und laut Polizeisprecher "besondere Kenntnisse im Umgang mit Waffen" hat?

Schuss kam wohl aus alter Waffe

Bei der Vorführung der Waffen waren neben dem Journalisten ein Pressesprecher und ein Trainer für die Anwendung von Schusswaffen anwesend. Die Beamten wollten die neue Dienstwaffe vorstellen. Doch dabei kam auch ein altes Modell zur Sprache. Aus dieser Waffe löste sich dann der Schuss. Der 45-jährige Ausbilder, laut Polizeisprecher als "besonders gewissenhaft" bekannt, habe den Schuss ausgelöst, sagte der Leiter der Ortspolizeibehörde Bremerhaven, Harry Götze. Der Vorfall sei "bedauerlich und schlimm". Beide beteiligten Beamten hätten sich nach dem Vorfall krankgemeldet. Die Kriminalpolizei habe Ermittlungen aufgenommen. Alle vorgeführten Waffen seien beschlagnahmt und untersucht worden. In keiner habe sich Munition befunden. Warum in der einen Schusswaffe ein Projektil steckte, werde nun untersucht.

Reporter informierte Kollegen per SMS aus dem Rettungswagen

Die Zeitung teilte mit, der Reporter habe für eine Polizei-Serie recherchiert, um die Ausrüstung der Beamten vorzustellen. "Zuerst konnten wir es gar nicht glauben, doch es war leider kein Scherz, als uns unser Kollege aus dem Rettungswagen per SMS über den Vorfall selbst informiert hatte", sagte der Chefredakteur der "Nordsee-Zeitung", Christian Klose. "Dass unser Reporter noch selbst in der Lage war, uns zu informieren, zeigt aber zum Glück, dass zu keiner Zeit Lebensgefahr bei ihm bestand." Die Nachricht habe alle Mitarbeiter der Zeitung geschockt.

Der Desk-Chef der "Nordsee-Zeitung", Tim Albert, äußerte sich via Twitter zu dem Vorfall in Bremerhaven:

Umstieg auf neue Pistole

Normalerweise gehen die Beamten mit einer geladenen, aber gesicherten Waffe in den Dienst. Das P6-Magazin fasst maximal acht Patronen. Wird die Waffe durch das manuelle Ziehen des Pistolenschlittens geladen, ist eine Patrone im Lauf, sieben verbleiben im Magazin. Wird das Magazin wieder auf acht Patronen aufgefüllt, hat die Waffe maximal neun Schuss. Bei Dienstende werden im Normalfall das Magazin und auch die Patrone im Lauf entnommen. Es wird nun geprüft, warum sich noch eine 9-Millimeter-Patrone im Lauf befand. Die Bremerhavener Polizei rüstet zur Zeit Schritt für Schritt auf das neue Dienstpistolenmodell Walther P99 um.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.02.2016 | 16:00 Uhr