Stand: 26.09.2017 14:33 Uhr

Wenn ich groß bin, werde ich ein Kreuzfahrtschiff

In knapp einem Jahr soll es so weit sein: In der Meyer Werft in Papenburg soll dann das nach Konzernangaben weltweit erste Kreuzfahrtschiff ausgedockt werden, das mit Flüssigerdgas - dem sogenannten LNG (Liquefied Natural Gas) - betrieben wird. Die im Auftrag der Reederei AIDA Cruises im Bau befindliche "AIDAnova" soll Vorreiter für eine neue Generation von Kreuzfahrtschiffen sein. Die neue Technik soll die Umwelt im Vergleich zu Schweröl verfeuernden Schiffen deutlich entlasten.

Ein Schlepper in der Neptun-Werft in Rostock © dpa-Bildfunk Fotograf: Stefan Sauer

Riesen-Modul der "AIDAnova" geht auf Reisen

Am Dienstag hat sich ein 120-Meter-Bauteil auf den Weg nach Papenburg gemacht. In der Meyer Werft entsteht bis zum Herbst 2018 die "AIDAnova", der erste Kreuzliner mit Erdgas-Antrieb.

5 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Ankunft in Papenburg am Donnerstagabend

Nach der ersten mehrmonatigen Bauphase wird es nun konkret: Ein in der Neptun Werft in Rostock gefertigtes Motorenraum-Modul der "AIDAnova" ist seit Montagabend auf dem Weg nach Papenburg. Das 120 Meter lange, 42 Meter breite und drei Decks hohe Teilstück mit vier sogenannten Dual-Fuel-Motoren soll am Dienstagabend über den Nord-Ostsee-Kanal Brunsbüttel erreichen. Über Borkum geht es dann weiter in Richtung Emden, wo die Ankunft - wenn das Wetter mitspielt - für Mittwochmorgen erwartet wird. Die letzte Passage führt weiter auf der Ems nach Papenburg. Dort soll das Modul am Donnerstagabend gegen 19 Uhr ankommen.

Zweiter Transport mit LNG-Tanks im November

In der Meyer Werft folgt die weitere Montage des Kreuzfahrtschiffes. Hotelblöcke, die in Papenburg in den vergangenen Monaten zusammengebaut wurden, werden dann auf das gelieferte Motorenraum-Modul gesetzt. Insgesamt wächst das Konstrukt damit auf eine Höhe von etwa 19 Decks. Im November soll dieser Vorgang laut Günter Kolbe von der Meyer Werft abgeschlossen sein.

Mit Flüssig-Erdgas über die Weltmeere

Das schwimmfähige Teilstück der "AIDAnova" soll dann die Montagehalle verlassen - und Platz machen für den nächsten Groß-Transport aus Rostock: Denn dann wird bereits ein zweites Mittelstück-Modul aus der Neptun Werft in Papenburg erwartet. "Darin sind dann die LNG-Tanks", sagte Kolbe NDR.de. Diese weisen ein Fassungsvolumen von rund 3.500 Kubikmeter auf. Im Vergleich zu herkömmlichen Dieseltanks sind die LNG-Tanks deutlich größer. Das resultiert aus den Anforderungen der neuen Technik, die mehr Platz braucht. Da das verflüssigte Erdgas bei minus 162 Grad gelagert wird, sind zudem die Anforderungen an das Material entsprechend hoch.

Zusammenbau ab Februar 2018

Auch auf die zweite Großkomponente werden in Papenburg Hotelblöcke montiert. Die Zusammenführung der beiden Teilstücke soll im Februar 2018 erfolgen. Das fertige Schiff, das Passagieren in rund 2.500 Kabinen Platz bietet, soll die Meyer Werft im Herbst 2018 verlassen.

Weitere Informationen
mit Video

Umweltsünder? Meyer Werft und AIDA widersprechen

Kein einziges Kreuzfahrtschiff ist aus Umweltsicht empfehlenswert. Das ist das Ergebnis des NABU-Kreuzfahrtrankings 2017. Die Meyer Werft und AIDA weisen die Kritik zurück. (05.09.2017) mehr

Schiff kann auch mit Diesel fahren

Gänzlich auf Dieselkraftstoff verzichtet die "AIDAnova" übrigens nicht: Die "Dual-Fuel"-Motoren können auch über Diesel laufen, ein mehr als 1.000 Kubikmeter fassender Dieseltank ist ebenfalls verbaut. Günter Kolbe betont, dass es sich dabei um eine Reserve handele, etwa für den Fall, dass das Flüssigerdgas auf See ausgeht. Zudem handele es sich nicht um Schweröl, sondern um Marinedieselöl, welches schadstoffärmer verbrenne. "Das darf auch in der Ostsee benutzt werden", sagte Kolbe. Wie das Verhältnis zwischen Diesel- und schadstoffärmerer LNG-Fahrt sein wird, kann der Sprecher nicht sagen: Der Kunde der Werft könne zwischen den Kraftstoffen wählen, am Ende sei es dessen Entscheidung. Der LNG-Tank soll so dimensioniert sein, dass er für eine bis zu etwa zwei Wochen dauernde Fahrt reicht.

Aufträge für neun LNG-Kreuzfahrtschiffe

Die Meyer Werft baut bereits seit zehn Jahren für AIDA Cruises. Sieben Schiffe hat das Unternehmen zwischen 2007 und 2013 an die Reederei ausgeliefert. Zwei weitere Schiffe gab AIDA anschließend bei der japanischen Werft Mitsubishi Heavy Industries in Auftrag, bis sie 2017 zur Meyer Werft zurückkehrte. Die Meyer Werft hat nach eigenen Angaben insgesamt Aufträge für neun LNG-betriebene Kreuzfahrtschiffe in den Büchern, darunter ein Schwesterschiff der "AIDAnova". Drei davon werden in Papenburg gebaut, die anderen sechs bei Meyer Turku in Finnland.

Lob vom NABU

Durch die neue LNG-Technik soll der Ausstoß von Schwefeloxiden und Feinstaub eine Ende haben. Die Menge der freigesetzten Stickoxide wird im Vergleich zu Schiffen, die Schweröl verfeuern, deutlich reduziert. Daniel Rieger, Verkehrsexperte vom Naturschutzbund (NABU), bezeichnete den neuen Antrieb im Gespräch mit NDR.de als "sehr erfreulichen Schritt nach vorn".

Weitere Informationen
01:59

Flüssiggas-Motoren für AIDA aus Rostock

25.09.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin

Ab 2020 gelten für Schiffe strenge Umweltauflagen. Die AIDA-Reederei bereitet sich vor und baut das erste Schiff mit einem Gas-Antrieb. Der Motor wird in Rostock gebaut. Video (01:59 min)

mit Video

Die Nächste, bitte: Kiellegung der "AIDAnova"

Nach der "World Dream" kommt die "AIDAnova": Die Meyer Werft in Papenburg hat schon das nächste Schiff in der Mache. Und diesmal soll es wesentlich umweltfreundlicher werden. (06.09.2017) mehr

Meyer Werft baut erstes Erdgas-Kreuzfahrtschiff

Die Papenburger Meyer Werft baut ein neues Kreuzfahrtschiff für AIDA. Laut Werft nicht nur der größte in Deutschland gebaute, sondern vor allem der weltweit erste Kreuzliner mit Erdgas-Antrieb. (21.02.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 25.09.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:49

Winterwetter: Zäher Verkehr auf der A 2

11.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:11

Birigt Honé: Ministerin für Europa-Angelegenheiten

11.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:15

Tarifverhandlungen bei Volkswagen gestartet

11.12.2017 16:00 Uhr
NDR//Aktuell