Stand: 20.01.2016 06:42 Uhr

Knochen der Wangerooger Wale werden präpariert

von Oliver Gressieker

Es war eine unangenehme und ziemlich blutige Arbeit: Vier Tage lang hat der niederländische Tierpräparator Aart Walen mit mehreren Helfern am JadeWeserPort in Wilhelmshaven die beiden auf Wangerooge gestrandeten Pottwale zerlegt. Bis Dienstagnachmittag wurden die riesigen Meeressäuger Schicht für Schicht abgetragen und unter anderem ihr Mageninhalt untersucht. Die Überreste der Tiere landeten in Containern - getrennt nach Knochen und sonstigen Bestandteilen.

Wal-Präparator Aart Walen steht vor den Überresten eines Wals und schaut in die Kamera. © NDR

Knochen der Wale kommen in die Niederlande

Die beiden Pottwale von Wangerooge sind untersucht und zerlegt worden. Walpräparator Aart Walen wird die Knochen in den Niederlanden präparieren und wieder zusammensetzen.

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Knochen kommen monatelang in "warme Suppe"

Das Skelett des größeren Tieres soll von Aart Walen präpariert und vor dem Nationalparkhaus auf Wangerooge aufgestellt werden. Heute sollen die Knochen des 13 Meter langen Tieres per Container ins niederländische Doornenburg südlich von Arnheim gebracht werden, wo der Präparator seine Werkstatt hat. Bis Walen mit den eigentlichen Arbeiten beginnen kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Denn zunächst müssen die Knochen für zwei bis drei Monate in eine Spezialflüssigkeit mit Enzymen und Waschmittel eingelegt werden. Auf diese Weise werden sämtliche Fleischreste von den Knochen abgelöst. "Das ist wie eine warme Suppe", sagte Walen im Gespräch mit dem NDR.

Kompliziertes Puzzle auf dem Boden der Werkstatt

Nach dem Entfetten beginnt der spannende Part: das Zusammensetzen der vielen einzelnen Teile. "Ich werde die Knochen in meiner Werkstatt auf dem Boden ausbreiten und dann die statischen Berechnungen vornehmen", so Walen, der ansonsten vor allem Dinosaurier präpariert. Wie bei einem Puzzle wird das Skelett des Wales so nach und nach Form annehmen. Wenn alle Vorarbeiten abgeschlossen sind, wird Walen für die Endmontage wieder nach Wangerooge reisen und das Skelett aufstellen - inklusive des wertvollen Kiefers.

Erste Spender für Skelett stehen bereit

Die Kosten der Präparation von etwa 70.000 Euro will Insel-Bürgermeister Dirk Lindner (parteilos) über Spenden finanzieren. Der Landkreis Friesland habe bereits 10.000 Euro zugesagt, auch die Wattenmeerstiftung, Inselbewohner und Gäste wollten sich beteiligen. "Wir hoffen, dass das präparierte Skelett im Frühjahr 2017 fertig ist", so Lindner.

Der Wal-Präparator bei der Arbeit

Knochen für Bildungszwecke

Nach Angaben der Nationalparkverwaltung Wattenmeer werden auch vom zweiten Wangerooger Pottwal Teile des Skeletts präpariert. Diese sollen verschiedenen Umweltorganisationen für Bildungszwecke zur Verfügung gestellt werden, sagte Sprecher Jens-Peter Kiel NDR.de. Das zweite Gebiss wiederum gehe an das Bundesamt für Naturschutz in Bonn.

Entsorgung der Überreste in Friesoythe

Alle Überreste der Wale, die nicht zum Skelett gehören, werden in der Oldenburger Fleischmehlfabrik in Friesoythe-Kampe (Landkreis Cloppenburg) entsorgt. Wie Geschäftsführer Thomas Groß NDR.de sagte, sind am Montag bereits die ersten Teile der Tiere in zwei Containern eingetroffen. Die einzelnen Stücke werden zunächst zerkleinert und bei Temperaturen von mehr als 130 Grad Celsius sterilisiert. Danach erfolgt die Trennung in Mehl und Fett. Das Tiermehl geht in die Zementindustrie, wo es zur Energieerzeugung verbrannt wird, während das Fett zur Herstellung von Biodiesel verwendet wird.

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