Stand: 05.10.2015 13:29 Uhr

Kavernenbetreiber gibt Widersprüche zu

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Nach der Klage des Gasspeicher-Betreibers in den USA ist in Etzel die Angst vor erneuten Havarien gewachsen. (Themenbild)

Der Betreiber der unterirdischen Erdgasspeicher in Etzel (Landkreis Wittmund) hat eingeräumt, dass er die Anwohner mit widersprüchlichen Aussagen beunruhigt hat. Bei einer Klage in den USA gegen den Hersteller der Sicherheitsventile hatte das Unternehmen IVG, die Muttergesellschaft des Kavernen-Eigentümers Triuva, vor einer verheerenden Gasexplosion gewarnt. Gleichzeitig hieß es aber, in Etzel bestünde keine konkrete Gefahr. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte diesen Widerspruch moniert und Aufklärung verlangt. Zu den unterschiedlichen Aussagen sei es gekommen, weil man sich bei der Klage in den USA an internationalen Gepflogenheiten orientiert habe, teilte die IVG in einer schriftlichen Erklärung mit. Für Andreas Rudolph von der Bürgerinitiative (BI) in Etzel heißt das: "Wer so was behauptet, hält die dortigen Richter wohl für unerfahrene Juraabsolventen mit wenig Erfahrung und beleidigt deren Intelligenz."

Poker um Schadensersatz

Bereits im vergangenen Jahr waren zwei Förderstränge in zwei Kavernen gerissen - offenbar wegen schadhafter Schweißnähte an den verbauten Sicherheitsventilen. Die nun in der Klage beschriebenen Szenarien bezögen sich auf abstrakte Gefahren, die von den weltweit genutzten Bauteilen ausgehen könnten, heißt es in einer Mitteilung der IVG. Mit dieser Klage soll zunächst erreicht werden, dass ein grundsätzlicher Schadensersatzanspruch gerichtlich festgestellt wird, teilt IVG-Pressesprecher Jürgen Herres NDR.de mit. "Eine Bezifferung der Schadensersatzforderung ist noch nicht erfolgt." Bei den beiden Kavernen, bei denen es zu Schäden an Bauteilen gekommen ist, werde nun eine komplette Förderrohrtour ("Strang") neu verbaut. Bei den 28 anderen Kavernen werde das Gestänge verstärkt, um einen möglichen Abriss zu verhindern.

Stichwort Etzel

Die Kavernenanlage in Etzel gehört zu den größten Öl- und Gaslagerstätten in Europa. Die Kavernen liegen im Salzstock Etzel in 1.000 Meter Tiefe. Bereits seit 40 Jahren werden hier Rohöl und Gas gelagert. Mittlerweile sind es mehr als 50 Kavernen; davon werden 29 für die Erdgas- und 23 für die Rohölspeicherung genutzt. Insgesamt plant die Betreibergesellschaft 144 dieser unterirdischen Speicheranlagen. Mit dem zunehmenden Ausbau der Speicher nimmt die Sorge der Anwohner zu: Sie befürchten vor allem eine Absenkung des Bodens. In der Anlage lagern laut Betreiber seit Mai 2012 etwa zehn Millionen Kubikmeter Erdöl. Es ist eine Art Notreserve - auch für andere europäische Länder wie etwa Belgien, die Niederlande und Portugal. Im Bedarfsfall könne das Rohöl über Wilhelmshaven in die entsprechenden Länder verschifft werden. So solle die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

Anwohner zweifeln Sicherheit an

In der Erklärung betont die IVG noch einmal ausdrücklich, dass die Sicherheit des Kavernenbetriebs nicht gefährdet sei. Andreas Rudolph überzeugt das jedoch nicht. Wenn tatsächlich keine Gefahr bestünde, gebe es ja auch keinen Grund, die fehlerhaften Bauteile an 30 Kavernen auszutauschen, argumentiert er. "Wenn man es in Deutschland tatsächlich so ernst mit der Sicherheit nehmen würde, wie die IVG behauptet, hätte es doch gar nicht dazu kommen dürfen, dass dieses Ventil, welches eigentlich nur für den Tiefsee-Einsatz vorgesehen ist, hier verbaut worden wäre." IVG-Sprecher Herres bestätigt zwar, dass das entsprechende Ventil ursprünglich für den Tiefsee-Einsatz entwickelt wurde. Jedoch sei es für die Nutzung in den Kavernen zugelassen. "Außerdem", fügt Herres hinzu: "Die Ventile selbst sind nicht beschädigt." Vielmehr seien die Schweißnähte von zum Ventil gehörenden Rohren gerissen. Es handle sich demnach um einen Herstellungs- und nicht um einen Konstruktionsfehler.

Info-Veranstaltung für Anwohner

Der Wittmunder Landrat Matthias Köring und Bürgermeister Helfried Goetz (beide parteilos) hatten zuletzt gefordert, die unterirdischen Gaslager-Stätten vorübergehend stillzulegen, falls der gefahrlose Betrieb nicht sichergestellt werden könne. Am 8. Oktober will sich der Präsident des Landesbergbauamtes, Andreas Sikorski, den Fragen von Anwohnern stellen.

Immer wieder Pannen in Etzel

Die Gas- und Ölspeicher in Etzel stehen seit Jahren in der Kritik. Immer wieder war es in der Vergangenheit zu Pannen gekommen. Im November 2013 hatte es einen schweren Ölunfall gegeben. Anwohner hatten sich nach den Vorfällen massiv über die unterirdischen Speicheranlagen beklagt und auf die Sicherheitsrisiken hingewiesen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.10.2015 | 19:30 Uhr