Stand: 12.07.2017 11:12 Uhr

Hoffnung für das Oldenburger Globe-Kino

von Oliver Gressieker
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Der frühere Kompanie-Chef Gerhard Kindl war häufiger im Globe Kino zu Gast.

"Der Saal ist einfach wunderschön und die Atmosphäre ganz besonders." Als Gerhard Kindl nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder auf den spartanischen Holzsitzen des Globe-Kinos in Oldenburg Platz nimmt, gerät er sofort ins Schwärmen. Erinnerungen an alte Zeiten werden wach. Als Kompanie-Chef in der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne hat der 69-Jährige die Geschichte des Truppenkinos, das 1954 von den Briten gebaut wurde, aus nächster Nähe verfolgt. "In der Blütezeit in den 1960er- und 1970er-Jahren sind hier in der Kaserne unzählige Soldaten in die Vorstellungen gegangen", erzählt Kindl im Gespräch mit NDR.de "Vor allem bei 'James Bond' oder anzüglicheren Filmen wie 'Lolita' war der Saal immer rappelvoll."

360-Blick im leerstehenden Oldenburger Globe-Kino

Initiative plant Kauf und Sanierung

Der einstige Glanz des Kinos mit 408 Sitzplätzen lässt sich heute nur noch erahnen. Seit der Schließung 1993 hat das Gebäude ziemlich gelitten: Das Dach ist löchrig, Fenster sind eingeschlagen und die Stufen im Eingangsbereich zum Teil abgebrochen. Das könnte sich allerdings ändern, denn eine Genossenschaft mit bisher rund 40 Mitgliedern will das historische Filmtheater kaufen und sanieren. "Wir sind dem Charme des Gebäudes komplett erlegen", sagt Heilpraktikerin Nicola Haßold-Piezunka. Sie bildet zusammen mit dem Kunsttechniker Michael Olsen, der schon an der Rettung des Kultur-Cafés "Polyester" beteiligt war, den Vorstand der Initiative.

Im Globe-Kino ist die Zeit stehen geblieben

Gebäudekauf als größte Hürde

Die Idee zur Rettung des Globe entstand im Januar bei einem Quartierstreffen auf dem ehemaligen Kasernengelände. "Von den Bewohnern des Viertels kam die Anregung, dass man so ein außergewöhnliches Kino doch nicht einfach unkommentiert verfallen lassen könne", erzählt Haßold-Piezunka. Der Vorschlag wurde mit großer Begeisterung aufgegriffen. Eine Arbeitsgruppe sammelte Ideen und bereits im März gründete die Initiative die Kulturgenossenschaft "Globe". Deren erstes Ziel ist es, durch den Verkauf von Genossenschaftsanteilen den vom Investor verlangten Kaufpreis von 225.000 Euro aufzubringen. "Da es dafür keine Zuschüsse gibt, ist das die größte Hürde", sagt Olsen. Erst danach könnten Fördergelder für die rund 1,1 Millionen Euro teure Sanierung eingeworben werden.

Einzigartiges "kulturhistorisches Juwel"

Videos
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Ein historisches Kino mit besonderem Charme

Seit 25 Jahren liegt das Globe-Kino in Oldenburg brach. Eine Genossenschaft will das einzigartige Filmtheater jetzt retten und zu einem Kulturzentrum verwandeln. Video (00:47 min)

Beim genaueren Blick auf die Geschichte wird schnell deutlich, warum die Genossenschaft das "kulturhistorisches Juwel" unbedingt wiederbeleben will. Ein wichtiger Grund ist die Einzigartigkeit: Von 21 Globe-Kinos, die in den 1950er-Jahren von den Engländern in der Bundesrepublik auf Kasernengeländen gebaut wurden, stehen laut Olsen nur noch drei. Dem Kino in Todendorf (Schleswig-Holstein) droht wegen Einsturzgefahr jeoch der Abriss, das Filmtheater in Upjever (Landkreis Friesland) ist deutlich kleiner und weniger prunkvoll als das Oldenburger Globe. Außerdem liegen die beiden Gebäude in militärischen Sicherheitsbereichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.07.2017 | 07:30 Uhr

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