Stand: 04.11.2017 13:00 Uhr

Havarierter Frachter: Ermittlungen gegen Kapitän

Nach der Havarie des Frachters "Glory Amsterdam" ermittelt die Wasserschutzpolizei gegen den Kapitän. Es bestehe ein Anfangsverdacht, dass wegen der fehlenden Kooperationsbereitschaft der Schiffsführung die ersten Bergungsversuche gescheitert seien und das Schiff daher auf einer Sandbank vor Langeoog gestrandet sei. Nach Sichtung der Einsatzprotokolle und durch Zeugenaussagen habe sich dieser Anfangsverdacht bestätigt, hieß es. Gegen den 48-jährigen chinesischen Kapitän wird nun wegen des Verdachts auf Gefährdung des Schiffsverkehrs ermittelt. Zusätzlich muss er zur Sicherung des Verfahrens 9.000 Euro zahlen.

Umfangreiche Untersuchungen

Experten der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hatten den havarierten Frachter zuvor inspiziert und unter anderem den Schiffsdatenschreiber, die sogenannte Blackbox, ausgewertet. Auf der Blackbox werden die Gespräche auf der Brücke sowie Geschwindigkeit und Position des Schiffes aufgezeichnet. Auch die Besatzung wurde zum Hergang der Havarie befragt. In den kommenden Wochen sollen dann auch noch die Daten des Hochseeschleppers "Nordic" und die Protokolle des Havariekommandos ausgewertet werden. Erst nach Abschluss des Verfahrens in etwa einem Jahr werde allerdings ein endgültiger Untersuchungsbericht veröffentlicht, sagt der Leiter der Untersuchung. Weitere Experten untersuchen parallel zur BSU Tanks und Rumpf des Schiffes. Die seerechtliche Aufarbeitung liegt bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Dabei geht es unter anderem um die Klärung von Kostenübernahmen und Versicherungsfragen.

Weitere Informationen

Havarie: Inselbürgermeister fordern Konsequenzen

Verbot von Schweröl, Überprüfung der Schlepper-Kapazitäten: Die Bürgermeister der Ostfriesischen Inseln halten nach der Frachter-Havarie Verbesserungen für dringend notwendig. (03.11.2017) mehr

Langwierige Bergung

Am Mittwoch hatte das Bergungsteam etwa 16.000 Tonnen Ballastwasser aus dem auf einer Sandbank havarierten Schiff abgepumpt. Auf diese Weise konnte das Schiff aufschwimmen und ins Tiefwasser gezogen werden. Danach wurde die "Glory Amsterdam" nach Wilhelmshaven geschleppt. Die Bergungsspezialisten hatten sich dagegen entschieden, die rund 1.800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel vorsorglich aus den Treibstofftanks der "Glory Amsterdam" zu pumpen. Während des Schleppvorgangs wurden keine Schadstoffaustritte festgestellt. Insgesamt elf Schiffe, drei Hubschrauber und ein Ölüberwachungsflugzeug begleiteten den Havaristen. Wegen der defekten Ruderanlage dauerte die Fahrt mehrere Stunden. Nach aktuellen Erkenntnissen soll das Schiff bis auf einen Defekt an der Ruderanlage keine strukturellen Schäden aufweisen.

"Glory Amsterdam": In sicheren Hafen geschleppt

Bürgermeister fordern mehr Sicherheit

Nach der Havarie der "Glory Amsterdam" fordern die Bürgermeister der sieben Ostfriesischen Inseln nun umfassende Aufklärung und Verbesserungen bei der Schiffssicherheit in der Deutschen Bucht. Im Mittelpunkt ihrer Kritik steht der fehlgeschlagene Versuch des Notschleppers "Nordic", eine stabile Schleppverbindung zu dem manövrierunfähigen Havaristen aufzubauen. In einer gemeinsamen Erklärung fragen die Inselbürgermeister den für das "Sicherheitskonzept Deutsche Küste" zuständigen Bundesverkehrsminister, welche Verbesserungsmöglichkeiten es für den Fall gibt, dass ein noch größeres, voll beladenes Schiff bei starken Stürmen auf die Küste zutreibt.

Ankern auf See in der Kritik

Wenn es bei einem solchen Szenario keine Garantie gebe, dass eine haltbare Notschleppverbindung hergestellt werden kann, müsste das auf Reede liegen - also das Ankern außerhalb von sicheren Häfen und vor einem besonders sensiblen Meeresgebiet wie dem Wattenmeer - hinterfragt werden. Das gelte auch für Fahrten bei schwerem Sturm, schreiben die Bürgermeister weiter.

Auch Wattenrat warnt vor Gefahr

Auch die Naturschutzorganisation Wattenrat hat nach der Havarie auf weitere mögliche Gefahren in der Nähe des Wattenmeeres hingewiesen. 20 Seemeilen östlich des Havarieortes vor Langeoog liege der Windpark "Nordergründe", nur wenige Hundert Meter vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer entfernt. In der Nähe verlaufe einer der meistbefahrenen Schifffahrtswege der Welt. Durch die Havarie eines Tankers, der bei einem Ruderschaden in den Windpark treiben könnte, sei ein "verheerendes Katastrophenszenario" denkbar, teilte der Wattenrat am Sonnabend in Holtgast (Landkreis Wittmund) mit.

Weitere Informationen

Inspektion des havarierten Frachters läuft

Vier Experten der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung haben am Freitag den havarierten Frachter "Glory Amsterdam" inspiziert. Ergebnisse werden zunächst nicht veröffentlicht. (03.11.2017) mehr

Nach Havarie: Heftige Kritik an Notfallkonzept

Politiker und Umweltschützer fordern nach der Frachter-Havarie Verbesserungen am Notfallkonzept. Langeoogs Inselbürgermeister Garrels spricht gar von einer tickenden Zeitbombe. (02.11.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 03.11.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:53

Die Wölfe und wir: Eine Kulturgeschichte

20.11.2017 22:45 Uhr
Kulturjournal
02:36

Baltrum: Sparkasse schließt am 1. Dezember

20.11.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:29

Fotoausstellung: Wohnungslose und ihre Stadt

20.11.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen