Stand: 04.07.2017 20:44 Uhr

Geflügelhalter: Mehr Kosten für Tierschutz

Die niedersächsische Geflügelwirtschaft will die Kosten für mehr Tierschutz von Verbrauchern, Handel und Steuerzahler erstattet bekommen. Das sagten heute Vertreter auf der Hauptversammlung ihres Verbandes in Erlte bei Visbek im Landkreis Vechta. "Wir haben geliefert", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, zu den Auflagen des Tierschutzplanes Niedersachsen. "Die Rechnung kommt hinterher, und sie muss bezahlt werden", forderte er in einer Diskussion.

Verband fordert von Parteien mehr Realitätssinn

Die Aufwendungen für Verbesserungen beim Tierwohl wie etwa geringere Besatzdichte in den Ställen oder der Verzicht auf das Schnabelkürzen verursachten Zusatzkosten, die die Landwirtschaft bislang noch nicht vollständig ersetzt bekomme. Auch der Betreuungsaufwand sei gestiegen. Ripke forderte vor der Bundestagswahl die Parteien zu mehr Realitätssinn auf. Politische Entscheidungen zur Landwirtschaft hätten konkrete Auswirkungen auf die Betriebe. Die Politik müsse nicht nur den Tierwohlaspekt berücksichtigen, sondern auch die Folgen für die Landwirtschaft. "Es nutzt niemanden, wenn wir im Tierschutz Spitze, aber nicht mehr wettbewerbsfähig sind", sagte Ripke. So könnten die Betriebe nicht langfristig existieren. Profitieren würden Länder wie Polen, die Ukraine oder Brasilien, wo Tierschutzauflagen eine geringere Rolle spielten als in Deutschland.

Staatssekretär: "Label gute Basis"

Der gesellschaftlichen Diskussion um mehr Tierwohl könne sich die Branche nicht entziehen, sagte der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Hermann Onko Aeikens. Aus seiner Sicht könne das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) geplante staatliche Tierschutzlabel eine gute Basis sein, auskömmliche Preise für Fleisch durchzusetzen. "In Deutschland haben wir bislang keine Erfahrung mit einem staatlichen Label, aber ich glaube, der Vertrauensvorschuss durch die Verbraucher ist groß", sagte er. Für die Rewe-Gruppe sagte deren Bereichsleiter für Strategie und Innovation im Agrarsektor, Ludger Breloh, dass man nicht dem Verbraucher alleine die Mehrkosten für mehr Tierwohl in den Ställen aufbürden könne. Neben den Endkunden müsse es auch staatliche Kofinanzierung geben.

Weitere Informationen

Meyer kritisiert neues "Tierwohl"-Label

Bundeslandwirtschaftminister Schmidt hat auf der "Grünen Woche" ein neues, staatliches Tierschutz-Label vorgestellt. Niedersachsens Minister Meyer (Grüne) hält nichts davon. (20.01.2017) mehr

Tierwohl: Meyer will "Nägel mit Köpfen machen"

Von Pflicht-Tierwohl-Labeln bis zu Instrumenten gegen die Milchkrise: Minister Meyer (Grüne) hat sich viel vorgenommen. Er hat den Vorsitz der Agrarministerkonferenz übernommen. (03.01.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.07.2017 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:55

Nach der Wahl: Der Koalitionspoker

16.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:29

AfD-Grabenkämpfe nach der Wahl

16.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:55

Weil und Althusmann in Berlin

16.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen