Stand: 21.06.2017 19:23 Uhr

Gaskavernen Etzel: Zu nah an Wohnhäusern?

Die Gaskavernen des Betreibers Storag im Salzstock von Etzel bereiten Anwohnern Sorgen. Was geschieht bei einem Störfall? Zum Teil stehen Wohnhäuser nur 90 Meter vom oberen Auslass einer Kaverne - genannt Kavernenkopf - entfernt. Betreiber Storag hält das für ausreichend, die Anwohner nicht. Seit Jahren zieht sich diese Auseinandersetzung bereits hin. Am Mittwoch haben die Gemeinde Friedeburg und der Landkreis Wittmund Bürger zum Gespräch über die Sicherheitsabstände eingeladen. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Vertreter des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) nahmen teil.

Unklarheit über schlimmstmögliches Szenario

Mindestens 500 Meter Abstand zwischen Kavernen und Wohnbebauung verlangt die Bürgerinitiative vor Ort, die 2010 gegründet wurde. Die Frage ist, was bei einem Störfall schlimmstenfalls passieren würde: Könnte der Kavernenkopf komplett zerstört werden und das Gas ungehindert aus der Erde treten? Storag und LBEG gehen derzeit davon aus, dass dies nicht geschehen kann.

Lies verspricht Gutachten - und gegebenenfalls Konsequenzen

Um zu klären, welches der Szenarien realistisch ist, will Wirtschaftsminister Lies ein Gutachten in Auftrag geben. Bereits in drei Monaten solle es vorliegen. Sollte sich herausstellen, dass auch der schlimmste Fall im Kavernenfeld von Etzel eintreten könnte, dann seien auch die Sicherheitsabstände neu anzupassen. Dabei dürften keine Nachteile für die Anwohner entstehen, versprach Lies.

Stichwort Etzel

Die Kavernenanlage in Etzel gehört zu den größten Öl- und Gaslagerstätten in Europa. Die Kavernen liegen im Salzstock Etzel in 1.000 Meter Tiefe. Bereits seit mehr als 40 Jahren werden hier Rohöl und Gas gelagert. Mittlerweile sind es mehr als 50 Kavernen; davon werden 29 für die Erdgas- und 23 für die Rohölspeicherung genutzt. Mit dem zunehmenden Ausbau der Speicher nimmt die Sorge der Anwohner zu: Sie befürchten vor allem eine Absenkung des Bodens. In der Anlage lagern laut Betreiber seit Mai 2012 etwa zehn Millionen Kubikmeter Erdöl. Es ist eine Art Notreserve - auch für andere europäische Länder wie etwa Belgien, die Niederlande und Portugal. Im Bedarfsfall könne das Rohöl über Wilhelmshaven in die entsprechenden Länder verschifft werden. So solle die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 21.06.2017 | 17:00 Uhr

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